Als werdender Vater mache ich mir einen Gedanken noch häufiger, den ich mir ohnehin schon immer gemacht habe: Werde ich eine Beziehung zur (künftigen) Jugendkultur aufbauen können, oder werde ich fassungs- und verständnislos vor meinen Nachfahren stehen, wenn sie eine Taschengelderhöhung für ihre Klingeltöne fordern? Man frage mich in 10 Jahren, ob meine Sorgen berechtigt waren.
Gerade eben, als ich nach 366 Tagen (ja, ich habe an der Rezeption nachgefragt!) mal wieder im Fitness-Studio war, kam zu der Klingelton- noch eine Körperhygiene-Sorge hinzu. Fairerweise sei zunächst erwähnt, dass dieses spezielle Studio zur Billigkategorie gehört und nicht über Duschen verfügt. Es kann sein, dass man irgendwo Geld reinwerfen kann und dann von oben Wasser rauskommt, aber das macht niemand – man fährt halt nach Hause und duscht dort. Oder, und hier habe ich heute dazugelernt: Man entleert eine halbe Spraydose herben Moschusdufts von außen auf den Pullover! Dabei auf keinen Fall geizen, denn die Masse macht’s. Auch die Arme nicht vergessen, bis zu den Händen runter, und dann die Seite wechseln! Ich wollte den Jungen noch ein oder zwei Details fragen, aber bis sich die Schwaden verzogen hatten und ich mir die Tränen aus den Augen gewischt hatte, war er schon verduftet.
Mein Erziehungsplan lautet nun wie folgt: Alle Kinder morgens und abends mit Domestos einsprühen, gleichzeitig das Duschen verbieten. “Das ist nur Wasserverschwendung, arschteuer, und dauert sowieso viel zu lange. Wenn du 18 bist, kannst du das selbst entscheiden, aber bis dahin wird nicht geduscht, sondern gesprayt!” Wenn ich dann abends nach Hause kommt, der Nachwuchs ist sauber, dezent wohlriechend und der Blick aufgrund der noch leicht nassen Haare schuldbewußt gesenkt, kann ich guten Gewissens einen Haken in meiner Erziehungs-TODO-Liste machen.