2011

Gerade gesehen beim Nuf: der Fragebogen fürs letzte Jahr. Also los:

Zugenommen oder abgenommen?

Seufz. Das ist normalerweise ein Thema, über das ich beschämt schweige oder öffentlich Krokodilstränen weine. Aber dieses Jahr – dank Schwangerschaft: erst zugenommen, dann abgenommen :-) Ich wiege spektakuläre 3 Kilo weniger als vor der Schwangerschaft. Kind ist also als Diät durchaus zu empfehlen. Allerdings hat es Risiken und Nebenwirkungen …

Haare länger oder kürzer?

Länger. Während der Schwangerschaft waren meine Haare so viel dichter und lockiger als sonst, da mochte ich keiner Schere zu nahe kommen. Habe allerdings den Verdacht, dass sich das im nächsten Jahr ändern wird: Erstaunlich schnell kommt bei einem Säugling, den man auf dem Arm hält, der gezielte Griff ins Haar. Und erstaunlich früh haben solche kleinen unschuldigen Wesen eine Menge Kraft!

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Konstant kurzsichtig seit 2007. Während dem Studium ging’s noch mal einige Dioptrien bergab, jetzt scheint es sich eingependelt zu haben. Oder ich gucke einfach nicht mehr so viel in die Ferne, kann auch sein. Von Kontaktlinsen habe ich allerdings Abstand genommen, seit sie mir im letzten Jahr zweimal am Augapfel kleben geblieben sind: Einmal nach einer langen Wanderung und einmal im Schwimmbad. Beides sehr unangenehm.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Definitiv mehr. Man verliert zwar an Gewicht durch’s Kind, aber auch an Barvermögen. Und ich sehe den Trend für die nächsten Jahre steigen … Ach ja, und umgezogen sind wir auch noch.

Mehr bewegt oder weniger?

Ich tippe mal weniger – schwangerschaftsbedingt musste ich ja knapp zwei Monate das Sofa hüten. Habe auch entsprechenden Bewegungsdrang und schon ehrgeizige Pläne für 2012.

Der hirnrissigste Plan?

Zu glauben, ich würde noch rechtzeitig vor der Babypause mit der Promotion fertig. Aber im nächsten Jahr! Ganz bestimmt! Vielleicht.

Die gefährlichste Unternehmung?

… die Geburt …? Wobei das eher abenteuerlich als gefährlich war. Ansonsten vielleicht die schwindelerregende Wanderung auf den Preikestolen in Norwegen.

Die teuerste Anschaffung?

Die Küche wahrscheinlich. Und der Sex and the City-Bugaboo-Kinderwagen. Allerdings war der gebraucht. Trotzdem noch teuer.

Das leckerste Essen?

Ich muss schon wieder prahlen, aber das Umzugshelferessen, das wir im Herbst veranstaltet haben, war echt wahnsinnig lecker. Kürbissuppe, Rucola-Pastinakensalat, veganer Flammkuchen und Pflaumen-Sojajoghurt-Nachtisch. Die Lieferservice-Entdeckung des Jahres: Pizza Punjabi. Solange die Küche noch nicht fertig war, waren die quasi unsere Nabelschnur. Sehr leckeres indisches Essen.

Das beeindruckendste Buch?

“Moon Palace” von Paul Auster. War das wirklich 2011? Dann vorsichtshalber noch “The Hotel New Hampshire” von John Irving. Dann sag ich noch “Room” von Emma Donoghue und beschließe, trotz Erik im nächsten Jahr wieder ganz viel zu lesen. Wir sind ja jetzt unter die Kindle-Nutzer gegangen. Da sollte das kein Problem sein. Vor allem ergibt sich der interessante Effekt, dass man Bücher gleichzeitig lesen kann.

Der ergreifendste Film?

Gelten auch TV-Serien? Und muss es ergreifend sein? Filme haben mich, muss ich gestehen, in diesem Jahr keine nachhaltig beeindruckt. Zwei TV-Serien dafür umso mehr: In Treatment und Breaking Bad.

Die beste CD?

Zeh-Deeh, wat isn dette? Ick kenn nur Empedrei. Nö, da fällt mir zu 2011 keine ein. Letztes Jahr waren’s die Helden mit “Bring mich nach Hause”. Wird Zeit, dass die mal wieder was rausbringen.

Das beste Konzert?

Kyuss lives! im März. Schon schwanger und daher nicht ganz vorne im Moshpit. Nur getrübt dadurch, dass doch einige geraucht haben und ich Angst um das ungeborene Kind hatte. Und Jörg hat seine Brille verloren.

Die meiste Zeit verbracht mit …?

Erik. Pränatal mit Geburtsvorbereitungen, postnatal, naja: Windeln, Stillen, Flasche, Trösten.

Die schönste Zeit verbracht damit …?

Siehe oben.

Vorherrschendes Gefühl 2011?

Neugier, freudige Erwartung, Staunen. Und seit November: Müüüüüüde.

2011 zum ersten Mal getan?

Ein Kind ausgetragen und zur Welt gebracht.

2011 nach langer Zeit wieder getan?

In Berlin gewesen und eine alte Freundin besucht. Auf Hochzeiten gewesen. Gitarre gespielt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Schwangerschaftsübelkeit. Sodbrennen. Karpaltunnelsyndrom. Darf ich noch mehr? :-)

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

All die Horrorstories, die man hört über das Kinderkriegen, nicht so ernst nehmen. Sowohl das Gebären an sich als auch das Leben mit einem Säugling ist so, wie man sich das vorstellt.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Erik. (hab ich mir das Geschenk selber gemacht oder der Jörg mir oder wir uns oder der Erik uns?)

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Jörg (ungefähr jeden Tag): Du bist voll die liebe Mama. Das erzähle ich dem Erik später mal.

2011 war mit einem Wort …?

Erikjahr.

 

Jörg, mach den Fragebogen doch auch ma :-)

Immobilien in München

Diese beiden Worte harmonieren ungefähr auf dieselbe Weise wie “Nitro” und “Glycerin”.

Wenn man sich näher damit befasst, hat der Münchener Markt aber durchaus auch seine unterhaltsamen Seiten. Wie bereits beschrieben, wurde ungefähr zeitgleich mit unserem Auszug (trotzdem vermutlich nicht dadurch bedingt) auch die Ex-Nachbarwohnung zum Verkauf angeboten – damals als wohnfreundlich, eine Eigenschaft, die bei einer Wohnung ja prinzipiell durchaus von Nutzen sein kann.

Dieses Wort hat einen festen Platz in meinem Herzen gefunden, und so suchte ich heute in einer Stunde der Einsamkeit den darbietenden Marktplatz auf, um die als begehrt gepriesene Wohnung hinsichtlich des Grades ihrer Begehrtheit ein bisschen zu quantifizieren. Das Ergebnis hat mich überrascht:

Die Wohnung ist offenbar dermaßen begehrt, dass ein einzelnes Angebot gar nicht mehr ausreicht. Vielmehr finden sich nun derer zwölf, und bis auf einen kleinen Rundungsfehler von €35.000 haben alle den gleichen Preis. Ein Schelm, wer nun vermutet, das würde ahnungslose Käufer von dessen Durchschnittlichkeit überzeugen, oder gar irgendwelche Statistiken beeinflussen.

Die Fotos bemühen sich redlich, möglichst verschieden auszusehen, und sogar die Grundrisse wurden differenzierend bunt eingefärbt. Die Überschriften decken eine große Bandbreite potenzieller Käuferpräferenzen ab:

Wohlfühlen im Grünen und doch Zentral

Kompakt und griffig für den eiligen Legastheniker, der Informationsflut des Alltags geschickt ausweichend.

Erdgeschosstraum in Pullach mit Garten

Auf so ein Wort muss man erstmal kommen – Respekt. Keine weiteren Fragen.

Zauberhafter Garten mit 3,5 Zimmer-Wohnung in Pullach sucht liebevolle Eigentümer

Eine innovative Inversion der etablierten Hierarchie, allerdings würde mir persönlich ein derart aktiver Garten doch etwas Angst einflößen.

Ruhige 3-Zimmer-Wohnung mit Garten, Kamin, 2 Bäder mit Fenster, Hobbyraum, Einzel-TG, S-Bahn 3 Minuten

Hier hat ganz klar ein Intellektueller getextet, die Lektüre des Exposés ist nach der des Titels fast überflüssig. Mein heimlicher Favorit – das ließe sich nur noch durch Ergänzen des base64-codierten Grundrisses als gezippte ASCII-Grafik überbieten.

Das war alles bei immonet.de. Natürlich darf aber auch immobilienscout24.de nicht fehlen:

Ruhig 3-Zimmer-Wohnung mit Garten, Kamin,Hobbyraum, 2 Bäder mit Fenster, Einzel-TG, S-Bahn 3 Minuten

Ruhige 3-Zimmer-Wohnung mit Garten, Kamin, 2 Bäder mit Fenster, Hobbyraum, Einzel-TG, S-Bahn 3 Min.

Erdgeschosstraum in Pullach mit Garten

Wohlfühlen im Grünen und doch Zentral

Zauberhafter Garten mit 3,5 Zimmer-Wohnung in Pullach sucht liebevolle Eigentümer

Die hatten wir alle schon.

Süden hoch² !

Aha, ein Mathematiker! Präzise bis ins Superskript, bleibt dem Leser trotzdem ein gewisser Vorstellungsspielraum.

+++ Charmantes Ambiente in guter Lage +++

Der preisliche Highscore, in bewährter Ebay-Manier gekennzeichnet. Es fehlt vielleicht noch ein TOP oder OVP.

Begehrte wohnfreundliche 3-Zimmer-Gartenwohnung in ruhiger Lage im Herzen von Pullach!

Der Klassiker! Es gibt ihn noch! Ich hatte schon befürchtet, dieser begehrte Kulttext wäre für immer in den Datenbanken verloren gegangen, als ich ihn auf Immonet heute nicht mehr fand. Aber es sieht so aus, als bliebe er der Welt doch noch bis auf Weiteres erhalten.

Abschließend fasse ich ein paar technische Daten aus den obigen zwölf Originalquellen zusammen: Der Preis schwankt um 35.000€, der des Stellplatzes um 6.000€, die Wohnfläche zwischen 100qm und 120qm, und die Zimmerzahl zwischen 3 und 4. Die einzige Konstante ist die Maklerprovision von 3,57% – wahrscheinlich ist das das legale Limit.

Diese eine begehrte Wohnung repräsentiert übrigens fast die Hälfte der Pullacher Angebote in Immoscout, auf Immonet sind es sogar satte zwei Drittel. Eine Strategie, die sich bei Potenzmitteln und Rolexuhren aus Plastik bewährt hat, muss doch eigentlich auch für Wohnungen in München funktionieren, oder?

Man darf gespannt sein, wie die Suche des sich wohlfühlenden Zaubergartens und seines Erdbeertraums weitergeht…

Ich bedaure…

…denjenigen, der unmittelbar nach mir bei Aldi versucht, Schoko-Sojamilch einzukaufen.

Wir kaufen immer 48 Liter, 24 “natur” und 24 “Schoko”. Aldi führt aber ein festes Mengenverhältnis, und in jedem 12er-Karton sind maximal zwei Schokoliter. Ich baue also den Tetra-Turm soweit auseinander, bis im Einkaufswagen ein Mischungsverhältnis von 1:1 erreicht ist. Danach türme ich alles wieder zurück, und wer nicht tiefer als ein paar Meter gräbt, wird womöglich gar nicht bemerken, dass es Schoko-Sojamilch bei Aldi überhaupt gibt.

Vorgestern hat mich jemand angesprochen: Ob ich das alles alleine trinke? Und zum ersten Mal konnte ich sagen: Nein, das trinkt die ganze Familie! Ist natürlich gar nicht korrekt, denn Erik trinkt das Zeug ja nur indirekt. War aber trotzdem ein komisches Gefühl.

Ein Freund hat mich kürzlich mit der Frage konfrontiert, ob sich die Vaterschaft positiv auf mein Selbstvertrauen ausgewirkt habe. Auf die Idee war ich gar nicht gekommen, und die Antwort ist auch ein klares Nein. Ich habe ja bisher noch (fast) gar nichts geleistet, worauf sollte sich ein solches Vertrauensplus also gründen?

Allerdings bin ich in diversen sozialen Situationen im Moment etwas forscher, was nach außen vermutlich etwa denselben Eindruck erweckt. Zum Beispiel breche ich schonmal eine Unterhaltung relativ zeitgenau, gegebenenfalls auch mitten im Satz ab und verweise auf den Ruf der Familie (was jeder versteht). Oder – an dieser Stelle beziehe ich Niki mal einfach mit ein – wir verweigern uns aufwändigen und/oder allzu spontanen Aktivitäten (was fast jeder versteht).

Der Grund hierfür ist aber kein geturboboostetes Ego. Ich habe schlicht nur begrenzte Ressourcen und vermute bei meinen erwachsenen Mitmenschen eine gewisse Kompensationsfähigkeit, über die Erik im Alter von (Blick auf die Uhr) 38 Tagen noch nicht wirklich verfügt.

So, nun muss ich Schluss machen, er ist gerade am Einschlafen, und damit öffnet sich ein filmkompatibles Zeitfenster…

Schöne Bescherung

An dieser Stelle habe ich mir vorgenommen, was Tiefisinniges über Weihnachten zu schreiben.

In meinem alten Blog habe ich vor ein paar Jahren einen Artikel über das Thema “Besinnlichkeit” geschrieben. Viel Zeit zum Besinnen und Sinnieren blieb mir dieses Jahr nicht; dazu braucht man wahrscheinlich mehr Zeit am Stück und meine Zeit wird momentan vorportioniert. Dadurch lassen sich zwar Dinge wie Schnuller abkochen und Spülmaschine ausräumen erledigen, nicht aber unbedingt Nachsinnen und Philosophieren. Heute aber saß ich mit Erik auf dem Arm in unserem Wohnzimmer und schaute in den – leider wieder vollkommen grünen – Garten. Mir fiel dieses etwas kitschige Bing-Crosby-Lied ein:

When I’m worried and I can’t sleep

I count my blessings instead of sheep.

Auch wenn ich nicht an ein übergeordnetes, segnendes Wesen glaube – ich fühle mich in diesem Jahr wirklich reich beschert und gesegnet. Ich habe einen Job, der mich in vielerlei Hinsicht erfüllt und in den ich jederzeit nach der Babypause wieder einsteigen kann. Ich habe eine tiefe, innige, herzerwärmende Beziehung. Eine wunderschöne Wohnung am Rande Münchens. Zwei Katzen, die mir jeden Tag aufs Neue zeigen, wie man einfach leben und genießen kann ohne zu hinterfragen. Keine finanziellen Nöte. Ausreichend stabile Gesundheit. Und natürlich, last but not least, einen kleinen prachtvollen Wonneproppen. Da ist es eigentlich fast zu viel, mir zu Weihnachten auch noch was zu wünschen oder mir für das nächste Jahr gute Vorsätze zu machen; es darf einfach alles so weitergehen.

Dazu allerdings eine Erinnerung aus grauer Vorzeit: Jörg und ich waren noch nicht lange zusammen (wir schreiben also das Jahr 1995 oder 1996), da waren wir auf einem Klavierkonzert eines Bekannten. Wir waren frisch verliebt und die Klaviermusik war so wunderbar romantisch, da nahm ich seine Hand und sagte:

“So soll es für immer bleiben. Nichts soll sich ändern.”

Antwort Jörg: “Es wird sich aber ändern. Das geht ja gar nicht anders”.

Über diese Begebenheit haben wir öfter noch schmunzelnd gesprochen. Mit 15 war ich entsetzt – heute gebe ich ihm recht. Es ändert sich vieles, zum Glück – und manches bleibt zum Glück auch beim Alten.

Also gut: Es wird sich vieles ändern in den nächsten Jahren. Allen voran Erik, der im Moment täglich neu die Welt mit seinen großen Augen erfährt.

… und ist das nicht auch, worum es bei Weihnachten geht? Neuanfang. Licht in der Dunkelheit. Wintersonnwende. Die Geburt eines neuen Hoffnungsträgers.

Zum Abschluss ein bisschen Angeberei: Jedes Jahr kreire ich ein neues Weihnachtsmenü, das an Heiligabend serviert wird. Dieses Jahr gibt es bei uns:

Cremige Avocado-Minze-Suppe

Rucola-Pastinaken-Salat an Walnuss-Tofu-Dressing

Tofucreme-Zwiebeltarte mit Salbei und Cranberries

Weihnachtlich gewürzte Eisbombe