Was war nochmal Einkaufsstress?

Seit wir in München leben, kaufen wir außer Lebensmitteln alles per Mailorder. Halbwegs coole Geschäfte gibt es hier nicht haben wir hier noch nicht gefunden. Amazon dagegen hat alles, berät dank Rezensionen besser als (fast) jeder Verkäufer, ist nicht beleidigt, wenn man nicht sofort zugreift, bietet günstige Preise, tauscht 14 Tage lang ohne schuldinduzierenden Blick alles um, ist rund um die Uhr geöffnet und liefert auch nach München.

Ich habe heuer (dt.: dieses Jahr) 109 110 Bestellungen bei Amazon (incl. Marketplace) getätigt. Das sind über zwei pro Woche. Die größte enthielt 12 Artikel, so dass ich im Warenkorb umblättern musste. Nikis Bestellungen sind da nicht mitgezählt, und das Jahr ist auch noch nicht vorbei.

Jede einzelne dieser Bestellungen verlief zu meiner Zufriedenheit. Einige habe ich zurückgeschickt, auch das ging immer reibungslos. Durch die A-Z-Garantie hat man auch bei Markteplace-Verkäufern immer Netz und doppelten Boden: Amazon erstattet bei Händlern, die nicht auf Reklamationen reagieren, den kompletten Kaufpreis (das habe ich in den letzten fünf Jahren ganze zwei Mal genutzt).

Stress beim Einkaufen habe ich seitdem nicht mehr. Ich mache das gemütlich am Wochenende oder abends auf dem Sofa (100% babykompatibel). Es ist mir unerklärlich, warum so viele Menschen gerade am Samstag extra in die Stadt fahren (einige nehmen dazu sogar ein Auto!), durch überheizte Verkaufsräume rempeln, ahnungslose Azubis nach Produkten fragen, von denen diese dem Gesichtsausdruck nach noch nie (oder frühestens gestern) gehört haben, letztendlich etwas kaufen, das dem eigentlich Gesuchten bestenfalls ähnlich ist, und für das ganze auch noch einen Preis bezahlen, der praktisch immer höher ist als im Mailorder. Gratis dazu gibt’s noch den aktuellen Grippevirus.

Neckermann

Kommt man allerdings auf die Idee, nicht bei Amazon, sondern bei einem anderen Versender zu bestellen, wird es gelegentlich unterhaltsam. Neckermann beispielsweise hat zwar ein gutes Babyzubehör-Sortiment, bemerkt aber erst mehrere Tage nach der Bestellung, dass “sofort lieferbare” Artikel eigentlich doch schon weg sind. Wenn man dann beim Service anruft, sind genau diese Artikel plötzlich wieder da.

Im After-Sales-Bereich setzt Neckermann auf altbewährte Fußnotenverarschung. So erhielt ich eine Mail mit der folgenden vielversprechenden Überschrift:

50 € Kunden-Vorteil

Klingt ja toll! In einer kleinen hellgrauen Fußnote zwei Bildschirmseiten darunter jedoch:

Der Mindestbestellwert beträgt 500.- € (Bestellwert ohne Versandkosten und nach Abzug aller Retouren).

Vielleicht hätte ich nicht so schnell zahlen sollen, denn nun war ich ganz offensichtlich in der Kategorie “muss dringend Geld loswerden” geführt. Natürlich hatte ich nirgendwo “[x] Müllt mich mit Werbung zu, ich krieg ja sonst keine Mails” angekreuzt.

lauf_bar

Das ist ein Laden im Münchner Norden, mit einer wirklich guten Webseite. Irgendwann hatte ich dort mal bestellt, und pünktlich zu Weihnachten kam per Papierpost ein Gutschein über 10€, Mindestbestellwert 50€. Normalerweise werfe ich sowas immer sofort in den Müll, denn es ist immer irgendein Haken dabei. Diesmal war ich kurz unaufmerksam, bestellte zwei Kleidungsstücke, musste eines davon zurückschicken, und damit fiel der Gesamtbestellwert unter 50€.

Hier hat der Händler nun zwei Optionen: Er lässt den Gutschein weiterhin gelten (so geschehen z.B. bei baur.de) und beglückt damit den Kunden, oder er storniert ihn. lauf_bar entschied sich für die zweite Variante. Als ich heute dort anrief und mir zu fragen erlaubte, ob man denn den Gutschein nicht wenigstens anteilig gelten lassen könnte, lachte der Mitarbeiter nur. Gut, das liegt vielleicht an den Preisen und hat gar nichts mit mir zu tun. Vielleicht ist auch einfach das Betriebsklima so schön. Der erklärte Verlust eines Kunden brachte weitere Erheiterung meines Gesprächspartners. Im Angesicht von so viel Selbstvertrauen musste ich dann auch schmunzeln. Bestellt habe ich anschließend bei Amazon. Ohne Versandkosten und ohne Gefummel.

Goldgelb bis grün

Nach dem Abitur ging eine meiner besten Freundinnen als Au-Pair nach USA. Wir haben Tränen gelacht, als sie von ihrem Vorbereitungs-Seminar erzählte: Da wurden unter anderem ausführlich Farbe und Konsistenz von Babykot besprochen. “Goldgelb bis grün, schaumig bis cremig” wurde bei uns zu einem geflügelten Wort.

In etwas jüngerer Vergangenheit wurde mir, als ich ein befreundetes Paar mit Kind besuchte, zur Begrüßung stolz der Windelinhalt (!!) des Sohnemanns präsentiert mit den Worten: “Kuck mal, er hat Kacka gemacht!” Da hat man, dachte ich, studiert oder sogar promoviert, um sich dann plötzlich für Ausscheidungen zu begeistern. Muss das so, wenn man Eltern wird?

Mal ehrlich: Niemand kann behaupten, dass sie Mutter werden will, weil es so toll ist, nachts um drei vollgekackte Windeln zu wechseln. Und nebenbei auch noch die gesamte Kleidung des Nachwuchses. Um anschließend wieder von vorne anzufangen, weil der Sohn am liebsten FKK-kackt und sich, sobald die Windel ab ist, ein weiterer Schwall auf den Wickeltisch ergießt.

So habe ich auch nie zu träumen gewagt, dass ich eines Tages die Farbe, Form und Konsistenz des “großen Geschäfts” so genau begutachte. Oder mir gar, weil wir plötzlich einen “Code Green” haben, einen bebilderten Babykotratgeber im Internet anschaue. (Wer jetzt auf den Link klickt, sage nicht, er habe nicht gewusst, was ihn erwartet.)

Oder, wie der Leitartikel dieses – wirklich hilfreichen! – Ratgebers schreibt:

Es ist erstaunlich, wie viel Zeit Mütter damit verbringen, den Inhalt der Windel ihres Babys zu inspizieren, um herauszufinden, ob die Häufigkeit, die Konsistenz oder die Farbe in Ordnung sind.

Amen.

Eriks erster Brief…

…kommt vom Finanzamt! Dort beweist man tatsächlich Sinn für Humor: Nach einer kurzen geschlechtsneutralen Anrede kommt das Schreiben ohne Umschweife auf den Punkt und spricht Erik direkt an:

Das Bundeszentralamt für Steuern hat Ihnen die Identifikationsnummer 12345 zugeteilt. [...] Sie werden daher gebeten, dieses Schreiben aufzubewahren, auch wenn Sie derzeit steuerlich nicht geführt werden sollten.

Ist aber auch wirklich schlimm, diese einkommenslosen Säuglinge! Liegen dem Steuerzahler auf der Tasche, brauchen in der Bahn extra viel Platz und sind noch nicht mal arbeitssuchend gemeldet. Da fehlt einfach jegliche Leistungsbereitschaft.

Auch wenn Sie erst vier Wochen alt sind, immer noch bei Ihren Eltern wohnen und noch nicht lesen können, bewahren Sie bitte dieses Schreiben auf.

Wenn das mal keine Motivation ist, Lesen zu lernen.

Kommen Sie nicht in 18 Jahren angekrochen und bitten uns, dieses Schreiben schon wieder auszudrucken.

Vermutlich weiß in 18 Jahren niemand mehr, was eigentlich nochmal eine Steueridentifikationsnummer war. Wenn dann überhaupt noch jemand so komplizierte Worte versteht.

Ach, heute war ein Scheißtag, und das Finanzamt kriegt’s wieder ab – eigentlich auch nicht ganz fair. Hier ist jedenfalls die Auflösung:


Also wenn ich das so lese… vielleicht ist die direkte Anrede wirklich Humor, und ich hab’s nur nicht verstanden?

Monster Magnet, Black Spiders

Letztes Wochenende war ich bei Monster Magnet und Black Spiders im Backstage. Möglich war das, weil Niki sich freundlicherweise ein paar Stunden alleine um Erik gekümmert hat :-) Prinzipiell gibt es ja nicht viele taktische Vorteile, die Eltern zur Verfügung stehen – zahlenmäßige Überlegenheit ist jedoch einer davon, zumindest beim ersten Kind.

Die Show war sehr cool, und ich habe mir mangels Moshpit-Partizipation noch nicht mal die eigentlich übliche Erkältung eingefangen. Black Spiders kannte ich bis kurz vorher nicht, aber dank Amazon kann man ja inzwischen auch als Apfelgegner kurzfristig legal an CDs von Vorbands kommen. Das mir so zu Ohren Gekommene war schon vielversprechend, die Live-Performance setzte dann nochmal eins drauf – echt genial. Schade, dass es nach einer guten halben Stunde schon vorbei war.

Black Spiders (oder eine beliebige von hinten beleuchtete Band)

Monster Magnet waren wie gewohnt der Hammer. Es gab programmgemäß das gesamte “Dopes to Infinity”-Album und dann noch ein paar zünftige Zugaben, insgesamt gut 100 Minuten.

Und diesmal glaube ich auch rausgefunden zu haben, warum sich Dave Wyndorf immer, wenn er nichts zu singen hat, mit dem Rücken zum Publikum hinten neben das Drumkit stellt. Da ist nämlich ein großer Ventilator auf dem Boden (erkennbar durch scharfes Hinsehen sowie an den wehenden Haaren). Ich hatte mich irgendwann gewundert, warum er trotz Lederjacke kaum am Schwitzen war… Allerdings ist das anderen schon vorher aufgefallen.