Metaebene

Bevor ich damit anfing, ein Blog zu schreiben, habe ich natürlich einige Überlegungen zur Privatsphäre angestellt. Vor etlichen Jahren hatte ich schon einmal einen Versuch gestartet, dann aber kalte Füße bekommen Damals entdeckten gerade einige Juristen das Internet als Einnahmequelle, und deren Gedankengänge waren schwer vorauszusagen. Heute habe ich mehr Vertrauen in meine Rechtschutzversicherung. Aber zurück zum Thema.

Lässt man Zugangsbeschränkungen als unpraktikabel außer Acht, stellt sich also die Frage, welche Inhalte man der gesamten Welt verfügbar machen kann, ohne zu privat oder zu langweilig zu werden.

“Die gesamte Welt” lässt sich in drei Gruppen einteilen:

  1. Freunde, also Menschen, die mich gut kennen. Die können im Blog Dinge lesen, über die wir sowieso sprechen würden oder schon gesprochen haben.
  2. Menschen, die mich ein bisschen kennen. Etwa Arbeitskollegen, vielliecht mein nächster Chef  oder Leute, die meine E-Mail-Signatur anklicken.
  3. Menschen, die mich überhaupt nicht kennen.

Gruppe 3 ist die “Anonyme Masse”. Meine Serverstatistik gibt mir eine obere Schranke für diese Kategorie, und die ist sehr überschaubar. Was diese Leute über mich denken, bekomme ich gar nicht mit.

Ich bin selbst bei einigen Blogs Leser der Kategorie 3. Über die Autoren mache ich mir dann halt so meine Gedanken, spreche vielleicht mit Niki darüber, oder wenn’s hoch kommt mit Nichtlesern, und spätestens an diesem Punkt ist die Sache anonym und die Kommunikationskette zu Ende. Mit anderen Worten: Die Ausbreitung beschränkt sich in guter Näherung auf meinen und vielleicht noch Nikis Kopf.

Diskussionswürdig ist IMHO lediglich die Gruppe 2. Diese Menschen finden es vielleicht unpassend, plötzlich Privates von mir zu erfahren. Aber es zwingt sie ja keiner zur Lektüre – dieser Fall ist also leicht leserseitig lösbar.

Weckt das Geschreibsel hingegen Interesse, ist das ja genau die gewünschte Wirkung. Egal ob nun eine angenehme geistige oder eine unangenehme Haarwurzelstimulation die Folge ist – die bestehende Beziehung kann sich dadurch nur weiterentwickeln.

An dieser Stelle könnte man einwenden, dass das Haareraufen eines Personalvorgesetzten, Teamkollegen oder Vermieters vielleicht doch kontraproduktiv ist. Aber in einem solchen Fall hätte man wahrscheinlich sowieso keine gemeinsame Basis. Ich persönlich lese bei Bewerbern mit Blogs immer ein oder zwei Artikel. Die wichtigste Information daraus ist: Kann sich dieser Mensch mitteilen? Ob er Goldfische züchtet oder welches Betriebssystem er benutzt, ist mir ehrlich gesagt egal, und vielleicht finden sich ja sogar gemeinsame Interessen. “Hier entsteht eine neue Internetpräsenz” beweist dagegen weder technische noch Kommunikationskompetenz.

Ganz ohne Webseite ist man natürlich auf der sicheren Seite. Wenn man nichts sagt, sagt man auch nichts Falsches und macht keine Kommafehler. Außerdem hat man dann mehr Zeit zum Goldfischzüchten.

Zumindest theoretisch gäbe es dann noch die Gefahr, dass die Gruppe 3 schlagartig wächst. Das halte ich aber bei einem intellektuell auch nur halbwegs anspruchsvollen Blog für unwahrscheinlich.

So, nun werde ich noch schnell meine neue Webcam ausprobieren. Und ich wollte ja noch ein bisschen mit meinem Lichtschwert trainieren…

Senf, soziale Netzwerke und Spam, der keiner ist

Es begann alles mit einem Senfglas. Einem, das man nach erfolgreicher Entleerung als Trinkglas mit lustigem Motiv weiterverwenden kann. Ich kaufte es und war stolz auf diese Multifunktionalität. Als der Göttergatte das sah, war sein erster Kommentar: “Wie cool, das kann man ja weiterverwenden!” Und ich fühlte mich wieder mal darin bestätigt, dass wir einfach wahnsinnig gut zusammenpassen.

Das hätte ich gerne der Welt mitgeteilt, fand aber, dass das für einen Blog-Artikel zu wenig war. Davon ausgelöst, grübelte ich plötzlich, ob ich nach über einem Jahr Abstinenz wieder zu Facebook zurückkehren sollte, wo man sowas mal schnell in den Status posten kann: “Gründe, warum ich meinen Mann liebe: Weil er von wiederverwendbaren Senfgläsern genauso angetan ist wie ich”.

(Auch ein guter Facebook-Status-Satz ist übrigens: “Ich wäre ja zu Google+ gegangen, aber da ist keiner.”)

Mein Profil habe ich nicht gelöscht, nur deaktiviert, also versuchte ich heute spontan, mich wieder einzuloggen. Passwort vergessen? Kein Problem. Sagte Facebook. Und schickte mir kein neues. Aber die freundliche Login-Seite versprach: “Wenn du nach 30 Minuten keine Mail bekommen hast, klicke hier.” Das tat ich frohen Mutes und bekam folgende Hilfestellung (ich paraphrasiere):

1. Versuch’s doch einfach noch mal.

2. Versuch’s doch morgen noch mal, vielleicht sind wir einfach wahnsinnig beschäftigt.

3. Liegt bestimmt nicht an uns, sondern an deinem E-Mail-Provider. Frag doch da mal nach und lass uns in Ruhe.

Aha. Meine Daten behalten, aber mich nicht mehr zurückhaben wollen. Fängt ja gut an. Mir fiel dann zum Glück noch ein, dass ich mal den Spamfolder prüfen könnte.

Zum Glück, denn dort fand sich zwar auch keine Nachricht von Facebook, dafür aber eine fast einen Monat alte Mail von ehemaligen Kollegen mit wichtigem Dateianhang. Fast einen Monat, denn nach 30 Tagen wäre sie gelöscht worden. Puuuh.

Vor lauter Aufregung darüber fiel mir auch mein Passwort wieder ein und so bin ich heute wieder offiziell sozialer Netzwerker. Und das wurde schon geliked. (geliket?)

Kommentar vom Göttergatten: “Soll ich mich jetzt auch mal bei Facebook anmelden?” – Ich: “Mit welcher Motivation?” – Er: “Damit ich kontrollieren kann, was du schreibst.”

Ich sage ja: Wir passen wahnsinnig gut zusammen.

8 Bit und 10 Wochen

Gestern haben wir endlich mal wieder zünftig C64 gezockt! Mit acht Personen ab zehn Wochen, die Katzen nicht mitgezählt (Frauenquote 37,5%). Eriks Beitrag bestand in der Beschäftigung derjenigen, die gerade keinen Joystick in der Hand hatten und ihn herumtragen, herumwiegen, herumwirbeln (das war aus versicherungstechnischen Gründen nur ich) und ihm sogar vorsingen/-summen konnten.

Und zum ersten Mal konnte ich hier in München Tanks 3000 gegen richtige Gegner spielen, bei denen – wie ich schnell feststellen musste – jegliche Rücksichtnahme nicht nur vollkommen überflüssig, sondern in höchstem Maße unangemessen war. Endlich :-)

Du Wurst Deutschland!

Ich bin privat versichert, und das darf ich, weil mein Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Ist ja logisch.

Was passiert aber nun, wenn ich Elternzeit nehme? Dann bekomme ich eine Zeit lang Elterngeld und danach gar nichts, denn Elterngeld gibt’s pro Kind für beide Eltern kumulativ maximal 14 Monate. Nähme Niki also etwa ein Jahr Elternzeit und ich ein halbes, dann hätte ich zwei Monate lang ein reduziertes und vier Monate lang gar kein Einkommen. Mein Jahresbruttoverdienst würde also geringer ausfallen.

Huch, werde ich dann vielleicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung? Eine absolute Standardfrage, schließlich teile ich dieses Schicksal mit allen privat versicherten Eltern, die Elternzeit nehmen und mehr als €300 netto verdienen.

Wie einfach wäre es nun für das BMFSFJ, eine kleine Webanwendung zur Verfügung zu stellen, in der wir unsere Situation eingeben (alle drei privat versichert, Einkommen soundso, Elternzeit dann und dann) und die uns daraufhin sagt, welche Möglichkeiten wir hinsichtlich der Krankenversicherung haben. Oder man könnte zumindest einen Text verfügbar machen, der die Gesetzeslage beschreibt, die das Ministerium ja (hoffentlich zumindest mit-) gestaltet hat.

Die entsprechende Seite, zuletzt aktualisiert am 01.01.2011 (war da wirklich ein Update am Feiertag?), bewirbt vollmundig “konkrete Antworten” und hat ganz tolle Buttons für Facebook, Twitter und sogar mySpace (was war das nochmal?). Aber der einzige Inhalt, eine 83-seitige PDF-Broschüre, erwähnt unseren Fall nicht einmal.

Googeln liefert Seiten wie frag-einen-anwalt.de, wer-weiss-was-ich-weiss-nix.de oder gutefrage-naechstefrage.net. Fantastisch.

Ich finde, wenn man schon einen Gesetzesdschungel baut (alles die Schuld der Vorgängerregierung, klar), sollte man es im Jahre 2012 wenigstens auf die Reihe kriegen, ihn vernünftig online zu dokumentieren. Wenn ich so programmieren würde, wie diese Leute arbeiten, müsste ich mich vermutlich mit der Frage “Elterngeld und Hartz IV” auseinandersetzen.

Du weißt, dass du kürzlich Mutter geworden bist, wenn …

… du in all deinen Jacken- und Handtaschen Schnuller und Windeln findest.

… du dich nach fünf Stunden ununterbrochenem Schlaf ausgeschlafen fühlst.

… du bei “U4″ nicht an den Münchner Verkehrsverbund, sondern den Kinderarzt denkst.

… du die Eltern von anderen Babys, denen du auf der Straße begegnest, nicht fragst, wie der/die Kleine heißt, sondern dich gleich nach Geburtsgröße und -gewicht erkundigst.

… dir wildfremde Menschen eine ruhige Nacht wünschen.

… du bei auf dem Bürgersteig parkenden Autos überprüfst, ob ein Kinderwagen dran vorbei passt – auch, wenn du dein Kind gar nicht dabei hast.

… dir erst, nachdem du schon aus dem Haus gegangen bist, auffällt, dass du heute noch gar nicht in den Spiegel geschaut hast.

… du schon ewig die Idee für diesen Blog-Artikel hattest, aber nie dazu gekommen bist.

 

(Ergänzungen erwünscht!)