Schlaf, Kindlein, Schlaf

Erik hat Koliken. So jedenfalls unsere Vermutung, da er typischerweise in den Abendstunden schreit und unruhig ist. Besonders gerne, wenn seine Eltern ins Bett gehen möchten. Anfangs haben wir’s achselzuckend als “Eriks abendliche Knatschrunde” definiert und gefunden, dass wir da alle drei durch müssen. Leider hat sich durch das Schreien und vermutlich durch die Verstopfung ein kleiner Nabelbruch gebildet. Empfehlung der Kinderärztin: Sab-Tropfen und möglichst wenig schreien.

Ist ja nicht so, als würden wir unser Kind gerne schreien hören. Und der gerne genommene Rat “einfach schreien lassen” (was wir sowieso nicht übers Herz brächten) wäre damit auch hinfällig.

Unsere Abende sind daher zum Versuchslabor geworden. Jörg praktiziert gerne ein geräuschvolles Anpusten mit geschlossenen Lippen (wirkt so lange, wie man Atem in der Lunge hat) oder ein Hin-und Herschaukeln zu fetziger Industrial-Musik.

Ich wälze sämtliche Baby-Ratgeber und Foren, bade ihn abends, gebe ihm Bauchwehtee (mit mittlerer Begeisterung akzeptiert), massiere ihn mit Lavendelöl (soll beruhigend wirken), habe uns bei der Babymassage angemeldet und versuche mich in mittelalterlichen Foltertechniken, pardon, modernen Beruhigungsmethoden wie Pucken:

Hat genau einen Abend lang geklappt und ich glaubte den Heiligen Gral gefunden, bis er sich am nächsten Abend nach fünf Minuten freistrampelte und weiterknatschte.

Weitere Ideen von zufälligen Bekanntschaften in Arztwartezimmern, Nachbarn, Hebammen und Großmüttern: Zwischen den Augen streicheln. Bauch kreisend massieren. Sanft auf den Popo klopfen. Fliegergriff. Ergänzende Vorschläge werden gerne entgegengenommen und ausprobiert.

Neueste Idee: die von Jörgs amerikanischen Kollegen schon in der Frühschwangerschaft erworbene Hightech-Schaukel:

Ein eben gestarteter Pilotversuch war erfolgreich. Heute abend folgt die Feuerprobe. Wir werden berichten.

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