Kreativ für Köpfe

Ein Job, den ich auf gar keinen Fall machen möchte, wäre: Mir eine individuelle, aufregende und kaufmotivierende Beschreibung für ungefähr 1000 verschiedene Hüte (Hüte!) aus dem Hirn zu quetschen. Normalerweise kann man diesem Problem ja ganz gut entgehen, aber wenn man einen Online-Hutshop betreibt, kommt man nicht darum herum:

Teufelsding.

Seidig glänzender Haarfilz gepaart mit einem Hutband aus Hanffaser machen den Fedora von Carlos Santana so unwiderstehlich. Natürlich kommt der Abraxas-Engel auf die Garnitur und gibt dem Hut wieder etwas Besänftigendes.

Mit besonders breitem Lederfutterband in Ethno-Prägung.

Ich käme vermutlich nach 200 oder 300 solcher Texte auf die Idee der Wiederverwendung. Aber bei hutshopping.de hat man sich, soweit ich das sehen kann, wirklich für jeden Hut zu einer einzigartigen Beschreibung inspirieren lassen:

Wie feinweißer Sand.

Heller und hochwertiger als jeder gewöhnliche Strohhut ist der handgefertigte Bogarthut von Stetson, der seinen Träger mit 40-fachem Sonnenschutz begleitet. Ein Garniturband aus Edel-Denim ziert den Hut mit stilbrechender Eleganz.

Mit komfortablem Futterband aus Stoff.

Respekt, ganz ehrlich. Und ich kann nicht leugnen, dass ich mich freue, wenn ich Fisselsarbeiten sehe, die ich nicht selbst machen muss.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir uns für unsere Hochzeitsgeschenke bedankt haben. Wir hatten den Ehrgeiz, auf jede Karte wenigstens einen individuellen Satz zu schreiben, der auf das Geschenk Bezug nimmt. Das war hammerhart! Etwa so wie 20 Salzstangen in einer Minute essen.

Müsste man eigentlich nochmal machen…

Und sonst so?

“Hallo, ich bin die Mama vom Erik.”

Ich kann schon nicht mehr zählen, wie oft ich mich in den letzten vier Monaten so vorgestellt habe. Und auch wenn keiner wissen will, wer ich bin, interessieren sich die meisten, die mir begegnen (Straße, Supermarkt etc.) vor allem für den Junior.

Ich bin aber doch noch mehr, meldet sich eine trotzige Stimme in mir. OK, prä-Erik war wahrscheinlich der häufigste Satz “Hallo, ich bin Ihre Therapeutin” (oder Neuropsychologin in der Klinik). Das ist aber eine Rolle, die man abends ablegen kann (meistens jedenfalls) und die in der Klinik sogar deutlich mit Kittel und Namensschild gekennzeichnet ist.

Mama aber bin ich immer, 24-7. Brust rausholen im Arztwartezimmer? Plötzlich kein Problem mehr. Nächtliches Windelwechseln? Geht mit nur einem offenen Auge.

Und dann gibt’s diese Momente, wenn die Spätnachmittagssonne ins Fenster scheint und das Kind ein Spätnachmittagsnickerchen macht, wo ich dem nachsinne, was mich noch so alles ausmacht. Außer Mama-Sein.

Da gibt’s die Interessen, die Jörg und ich gemeinsam haben. Glücklicherweise, denn ich bin überzeugt, dass das Rezept für eine gute Ehe die gemeinsamen Interessen und Aktivitäten beinhaltet. Moderne Kunst, Lesen, Reisen, Wandern, Heimkino. Oliver Kalkofe, veganes Essen, Jazz- und Rockkonzerte. Um nur einige zu nennen.

Und dann gibt es den ganz speziellen Niki-Bereich. Die Dinge, die von Jörg teilweise mit Bewunderung und Respekt, teilweise mit Gleichmut oder gar mit völligem Unverständnis betrachtet werden.

Der Hang zu abenteuerlichen Hobbys: Improtheater, Gerätetauchen, Saxophonspielen, Westernreiten. Leider alles aus Zeitmangel wieder drangegeben oder auf Eis gelegt.

Mozart-Opern. In den vergangenen Jahren ist es mir tatsächlich geglückt, noch mal die Zauberflöte zu sehen. An Opern anderer Komponisten habe ich mich bisher vergeblich versucht. Bei Siegfried bin ich (wirklich!) eingeschlafen, und ich erinnere mich dunkel an eine avantgardistisch inszenierte Verdi-Oper, wo irgendwann Toastbrot ins Publikum geworfen wurde und Leute im Froschkostüm auf die Bühne liefen. (Klingt im Nachhinein eher nach Lynch-Film oder einem abgefahrenen Traum. Ich muss den Studienfreund, mit dem ich die Oper damals gesehen habe, noch mal fragen, ob das wirklich passiert ist.)

Die kleinen Genüsse: Ich liebe Hochglanzmagazine, die über fremde Kulturen und Tiefseefische berichten. Ich schreibe gern kleine Gedichte (meine Mutter, die Autorin, würde sie eher als “Kurzprosa” bezeichnen). Ich koche und esse gerne, Letzteres sieht man mir wohl leider auch an. Ich trinke gerne Tee in diversen Ausführungen. Und die Inspiration für diesen Artikel bekam ich, weil in der wöchentlichen Biokiste diesmal Werbung für eine Wein-und-Käse-Aktion lag. Was bei Jörg schon beim Hören zu Würgreiz führt, hat bei mir beim Durchlesen gerade Speichelfluss und genussvolles Augenverdrehen ausgelöst:

Pavè Correzien: spezielle Käsemilben tragen, nur äußerlich, zur Reifung bei: urig aussehende Rinde, darunter ein mürber, cremiger, sehr aromatischer Käse.

Carmenère: Rotwein, kräftig wie geschmeidig, mit deutlicher Kirschfrucht aus einer der typischen Trauben Chiles.

Oh, wie herrlich wäre eine Woche in Frankreich, wo ich mich ausschließlich von Wein und Käse ernähren könnte. Vielleicht ein bisschen Baguette dazu. Nur ich, ganz allein.

www.killerfluse.de

Aus aktuellem Anlass, Enjas zweitem Geburtstag, mal ein längst fälliger Blogartikel über unsere vierbeinigen Mitbewohner.

Unsere beiden Katzen haben, ähnlich wie Superhelden, mehrere Identitäten. Das gilt sowohl für ihre Namen als auch ihren Lebenswandel. Bürgerlich, d.h. im Impfpass eingetragen, heißen die beiden Nala und Enja. (Was auch nicht ganz korrekt ist, denn ursprünglich hieß Nala Simba, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.) Ihrem Charakter entsprechend bekamen sie von uns relativ schnell Spitznamen verpasst: Nala ist die Tröte. Man kann die Fanfare, die ihr Eintreffen im Hause begleitet, förmlich hören. Sie ist ein bisschen verrückt, hat spanisches Straßenkatzentemperament, spielt gern wild und inbrünstig, indem sie sich in (Katzen- oder Baby-) spielzeug verbeißt und mit den Hinterbeinen darauf herumtrommelt. Spielt sie mit ihrem Katzenbällchen, wird dies von trötenden Soundeffekten begleitet. Von einer Sekunde auf die andere kann ihre Laune sich ändern: Eben noch laut schnurrend, Köpfchen gebend und sich anschmiegend auf dem Schoß, beißt sie plötzlich zu und will nie die Erlaubnis zur Berührung erteilt haben. Eine Tröte eben.

Enja ist, in einem Wort, Fluse. Zunächst aufgrund ihres Äußeren: rassenbedingt (sie ist eine Maine Coon) hat sie langes, weiches Haar, das sich in langen, weichen Flusen in unserer Wohnung verteilt. Man muss allerdings zu ihrer Ehrenrettung sagen: Sie versucht die heruntergefallenen Flusen, wenn sie sie entdeckt, sofort oral zu resorbieren. Aber auch ihr Charakter ist, naja, einfach flusig. Verspielt, verschmust, gesprächig, sanft. Lieblingsschlafplatz: Mein Kopfkissen (während ich draufliege). Falls ich mal nicht vom Schreien des Sohnemanns wach werde, dann aber garantiert vom ohrenbetäubenden (weil direkt am Ohr liegenden) Flusenschnurren.

Bei Nacht jedoch, wo ja alle Katzen grau und alle Superhelden unterwegs sind: Da verwandeln sich beide in Killermaschinen. Die Jagdsaison, insbesondere für Mäuse, ist seit ein paar Wochen eröffnet. Und wer hätte das gedacht: die sanfte, schmusige Fluse hat bei der Jagd die Nase vorn. Mit gemischten Gefühlen musste ich schon mal mit ansehen, wie sie (tagsüber) im Garten einer schon völlig verstörten Maus immer wieder einen Schubs gab, dass sie sich doch noch mal bewegen und ihr ein sportlicher Target sein möge.

Wenn die beiden nur ihren Jagdtrieb draußen ausleben würden – meinetwegen. Aber gerne werden nachts die halbtoten (Betonung auf halb!) Mäuse auch ins Schlafzimmer gebracht. Mein Göttergatte greift daher seit Neuestem auch mal beherzt zum Staubsauger, nachdem wir mehrfach den Lebenswillen der Nager unterschätzt haben und die Totgeglaubten mit einem letzten Sprint hinter Möbeln und in Ecken verschwanden.

Ein Kater namens Jeff hat bereits seinen eigenen Webauftritt. Unsere Tröte und Fluse schlagen ihn bestimmt im Body Count um Längen. Spitzenwert: drei in einer Nacht.

Und der Sommer kommt erst noch.

Cngra-Gnagra

So etwa sah es jedenfalls in meinem Gehirn aus, als es folgendes Wort zu parsen versuchte (bitte beim Lesen beeilen):

Patentantennützlichkeit

Patent-Antenne? Patenten-Tanne? Patent ante portas?

Nach mehreren Anläufen sickerte dann die nützliche Paten-Tante durch.

Ich habe definitiv zu viel über Softwarepatente gelesen, bin zu wenig religiös und zu müde zum Lesen…

Der Artikeltitel ist übrigens ROT13(“Paten-Tanten”). Norwegische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass ROT13 leichter lesbar ist, wenn man den Kopf auf die linke Schulter legt und mit dem linken Arm das rechte Ohr berührt. Linkshänder nehmen natürlich die rechte Schulter, den rechten Arm und das linke Ohr.