Keine Einsicht, schon gar nicht in Akten

Ärzte und IT, das will irgendwie nicht zusammen. Dabei könnte gerade das Gesundheitswesen – oder besser gesagt: die Patienten – von einer Cloudifizierung profitieren.

Wie genial wäre es, wenn eine Krankenakte nicht pro Arzt, sondern pro Patient, also nur einmal existieren würde? Alle Behandlungen, alle Medikamente und alle Diagnosen wären in der Cloud für alle Ärzte abrufbar. Am besten mit einem zeitlich begrenzt gültigen Token, das ich direkt in der Praxis aus dem Smartphone zaubere, während der Neuzugang neben mir darüber nachdenkt, wo er in den letzten 10 Jahren geröntgt worden ist oder ob bei ihm schon einmal eine Überempfindlichkeit gegen Xylometazolinhydrochlorid diagnostiziert wurde.

Wie viel Schaden entsteht dadurch, dass Ärzte ihre Behandlungen nicht miteinander abstimmen, weil sie sich darauf verlassen, dass dem Patienten ja schon irgendwie klar sein müsste, dass eine Froblifikation frühestens drei Monate nach einer Blorzifizierung erfolgen darf? Wie viel effizienter könnte man therapieren, wenn man sich gemeinsam koordinieren würde? Ganz zu schweigen von einer automatisierten Analyse, die z.B. auf der Grundlage bekannter Korrelationen Risikofaktoren entdeckt, die zufällig nicht in ein einziges Fachgebiet fallen.

Das gegenwärtige papierbasierte System ist ziemlich kaputt und funktioniert nur dann halbwegs, wenn ich mich als Patient von allen Ärzten regelmäßig schriftlich auf den aktuellen Stand bringen lasse. Diesen Papierstapel müsste ich dann eigentlich bei jedem Arztbesuch mitbringen, denn ich weiß ja nie, welche der historischen Informationen der aktuelle Arzt benötigt. Zumindest muss ich darauf zugreifen können, wenn sich eine konkrete Nachfrage ergibt.

Das ist in der Praxis gar nicht so einfach. Aktuell plane ich gerade eine Hyposensibilisierung gegen bestimmte Pollen. Das habe ich vor etwa 10 Jahren schon einmal mit gutem Erfolg gemacht, damals noch in Aachen. Sinnvollerweise möchte nun mein Münchner Arzt nachschauen, was denn genau gespritzt worden ist, um die neue Therapie entsprechend abzustimmen.

Also habe ich das “MVZ Ambulantes Zentrum für Lungen- und Bronchialheilkunde, Dr. von Kirchbach, Dr. Lersch” (das offenbar keine Webseite hat) angeschrieben und um Zusendung der Patientenakte gebeten. Das war vor gut einem Monat. Bisher hielt das MVZ eine Beantwortung dieses Schreibens nicht für nötig. Ein Schelm, wer nun denkt, da wäre einfach nur jemand zu faul, die Unterlagen zu suchen…

Aber gemäß § 10 Abs. 2 BOÄK habe ich ein Recht auf die Herausgabe dieser Daten (nachzulesen z.B. hier). Wäre ja noch schöner :-) Also muss ich wieder mal einen Droh-Aufklärungs-Brief schreiben und dem fußmaladen Praxispersonal eröffnen, dass wir alle im Leben unser Päckchen zu tragen haben. Und wenn es besonders hart kommt, müssen wir dieses Päckchen sogar aus dem Keller kramen.

Im medizinischen Bereich finde ich schlechten Kundenservice noch viel danebener als bei irgendwelchen Konsumprodukten. Wenn mir ein Elektronikhändler auf die Nerven geht, kaufe ich meinen Kram eben woanders. Den Arzt zu wechseln ist da schon eine wesentlich größere Herausforderung.

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