Halbzeit

Die Hälfte meiner Elternzeit ist schon um. Es war sicher eines der bewegtesten Halbjahre meines Lebens.

Ja, wie isses nun so? Jörg fragte mich unlängst, ob ich Vollzeit-Mama-Sein anstrengender finde als Arbeiten. Und da gab es im letzten halben Jahr Phasen, wo ich das ganz eindeutig bejaht habe: Kaum Schlaf, 24 Stunden abrufbereit, ständige Unterbrechungen. Und das noch potenziert in Krankheits- und Zahnungsphasen.

Ich werde auch gelegentlich von Kinderlosen gefragt, ob ich denn eigentlich “noch nebenher arbeite”. Mag sein, dass es Kinder und Mütter gibt, wo das wunderbar funktioniert (ohne das Kind in Betreuung zu geben). Hier jedenfalls nicht. Wenn ich dann mal “Freizeit” habe, bin ich viel zu müde und unkonzentriert, um irgendeine “Denkarbeit” zu verrichten.

Gleichzeitig erlebe ich aber größere Freiheit und Entspannung, als ich sie im Berufsleben je hatte. Langer Nachmittagsschlaf, danach erstmal Kaffee trinken. Tagsüber ausgedehnte Spaziergänge. Einfach mal mit Erik auf dem Boden sitzen und (über) Bauklötze staunen. Abends todmüde ins Bett fallen und sich ausnahmslos auf den nächsten Tag freuen. Wie oft haben mich sonst vor dem Einschlafen ungelöste Arbeitsprobleme beschäftigt. Probleme, die in meiner jetzigen Arbeit auftreten, lassen sich meist durch Füttern, Wickeln oder Trösten relativ schnell beseitigen.

Und auch das frühe Aufstehen: So sehr ich auch klage, dass ich kein Morgenmensch bin – aber das frühmorgendliche Yoga lässt mich den Tag viel bewusster beginnen. Und freundliche Kindslaute sind so viel Schöner als Weckergepiepse.

Unlängst las ich in einem ehrlichen Elternbuch, dass man mit Kind ständig gefragt wird,  ob man schon einen Rhythmus und eine Routine hat, obwohl man doch genau das mit einem Kind nicht hat. Aber einen gewissen Rhythmus von Schlaf-Füttern-Spielen gibt es natürlich schon und der hat auch etwas fast meditativ Beruhigendes. Am Anfang war es eher Rätselraten, wenn das Kind schrie, was er nur hat – jetzt reicht ein fachmännischer Blick oder ein Ohr auf die Art des Schreis. Hunger, müde, langweilig. Oder, am Schlimmsten: Aua.

Doch, mich befällt eine gewisse Melancholie, dass diese gemeinsame Reise mit Erik durch sein erstes Lebensjahr auch irgendwann ein Ende hat. Wenn Gott und die schwarz-gelbe Regierung uns hold sind, wird Eriks zweites Lebensjahr nicht minder spannend, mit Kita-Eingewöhnung und meinem erneuten Arbeitsbeginn.

Software Engineer vs. Homo Sapiens

Der Unterschied zwischen einem normalen Menschen und einem Software Engineer? Ganz einfach:

Beide haben ein technisches Problem und suchen eine Lösung, z.B. in Form einer Android-App. Der normale Mensch findet eine App, die genau sein Problem löst, und denkt sich:

Boah, das Ding macht ja genau, was ich brauche. Super!

Der Software Engineer findet eine App, die genau sein Problem löst, und denkt sich:

Boah, das Ding macht ja genau, was ich brauche. Schade…

Ist der Software Engineer ein wenig kreativ, wird er nun das Problem geringfügig modifizieren und erklären: Dafür gibt es noch keine Lösung, das muss ich unbedingt selbst implementieren!

ZZZ

Seit der letzten Schulterauskugelung versuche ich zwecks Schonung derselben auf dem Rücken zu schlafen. Au Banan, ist das schwierig! Ich dachte schon, ohne Drogen schaffe ich das nie, aber heute kam der Gegenbeweis: Trotz (akustischer) Dröhnung konnte ich innerhalb von 15 Minuten in unbequemer Rückenlage auf der harten Pritsche einer MRT-Maschine ohne Mühe einschlafen :-)

Vielleicht liegt das daran, dass man sich nicht bewegen darf? Wegen des Lärms kommt man auch nicht auf die Idee “Oh, schön ruhig, schnell entspannen, zwo, drei, vier!” Es gibt auch keinen Leistungsdruck – man muss ja nicht schlafen. Das “normale” Schlafen ist dagegen – zumindest für mich – immer mit dem Zweck verbunden, für den nächsten Tag fit zu sein.