Sommer, Sonne, Sonnenblende

Manchmal entpuppen sich die scheinbar trivialen Dinge als unerwartet kompliziert. Beispielweise hat der westliche Kapitalismus keine Lösung für das Problem “Sonne scheint Kind auf dem Rücksitz ins Gesicht”. Zwar gibt es bei Amazon kindgerechte Plastikblenden, die irgendwie sogar eine Bewertung von 4,5 Sternen bekommen haben. Aber der Effekt entspricht in etwa dem einer dünnen Staubschicht, und die bekommt man ja üblicherweise gratis. Von Sonnenschutz kann man da eigentlich nicht sprechen.
Also einfach ein paar Saugnäpfe bestellt, vier davon an den Karton, in dem sie kamen, geschraubt, fertig.

image

Mother and Son

Kürzlich in der Geo gelesen: Der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist gar nicht so groß. Alles hausgemacht, alles Erziehung.

Also gut, ich kann mich nicht davon freimachen, gewisse Vor-Einstellungen, ja, Vor-Urteile gehabt zu haben, als ich das Geschlecht meines Kindes erfuhr.Und nicht nur ich.

Schon bei der Prognose des Geburtstermins hörte ich in der Verwandtschaft und Bekanntschaft: Die Jungs kommen immer eher früher. Nein, die Jungs kommen immer spät. Jörgs erster Kommentar, als wir aus der Ultraschall-Praxis kamen und das Geschlecht erfahren hatten: Dann kann ich ja mein ferngesteuertes Auto behalten.

Mehr oder weniger unbewusst habe ich sicher schon auf das Neugeborene andere Attribute übertragen, als wenn’s ein Mädchen wäre: ein Robust und kräftig. Ein Wonneproppen. Wäre ein Mädchen so proper gewesen, ich hätte mir vielleicht Sorgen gemacht: Nicht, dass sie in der Pubertät Gewichtsprobleme bekommt, so wie ich …? Erik war zwei Tage alt, da sagte die Oberärztin, als sie uns im Bett kuscheln sah: Ja, die Jungs. Die wollen immer kuscheln. Die Mädchen sind da unabhängiger. Die Frauenärztin bei der 6-Wochen-Nachuntersuchung, als ich sagte, Erik brauche abends lange, um ins Bett zu gehen: Jaja, so sind die Jungs. Diskussion neulich beim fitdankbaby (tolles Konzept übrigens) übers Abstillen: Die Jungs brauchen da halt länger, die Mädchen stillen sich selber ab.

Meine Mutter, Mutter von vier Söhnen und einer Tochter: Jungs sind früher dran mit der Motorik, Erik wird bestimmt bald laufen. Freundinnen und Nachbarinnen mit Söhnen: Jungs sind später dran mit der Motorik. In der PEKIP-Gruppe war das Kind, das als erstes krabbeln und sitzen konnte, ein Mädchen.

Und das Spielverhalten? In den ersten drei Jahren gibt’s keinen Unterschied, sagt der Kleinkinderpapst Largo.

Alles die Gesellschaft schuld also. Im Kinderkleider-Katalog sind die Mädchen als Prinzessinnen und Feen eingekleidet, die Jungs als Ritter. Die Mädchen brauchen

Bequeme Schnittformen und fruchtige Farben für den Ausritt im Schlosspark … (man weiß ja nie, ob ein Prinz vorbeikommt!)

(Vertbaudet-Katalog S. 98)

Die Kleidung der Jungs dagegen wird als “robust und unverwüstlich” angepriesen (selber Katalog S. 78). Bräuchte man zum Reiten nicht auch robuste ….?

Und was ist mit der Tatsache, dass mein Sohn, seit er ein halbes Jahr ist, jedem Auto, Bagger, Zug, Lastwagen hinterherschaut? Diese Fahrzeuge sind halt, so hörte ich unlängst, multisensorische Erfahrungen. Sind laut, groß, bunt und bewegen sich. OK, leuchtet ein.

Also, gute Nachricht, kann ich Erik doch bald ein Puppenhaus schenken.

Und was ist nun das erste Wort meines Sohnes, laut und deutlich vor der vierköpfigen Nachbarsfamilie vorgebracht:

Auto.

 

MP3-Downloadpreise bei Saturn

Ich hatte ja schon zweimal (1, 2) gestutzt, nun hat Saturn mir geantwortet:

Sehr geehrter Herr Zieren,

vielen Dank für Ihre Nachricht, gerne nehmen wir nachfolgend unsere Stellung hierzu.

Unser VK-Preis richtet sich auch nach dem EK-Preis, welchen wir von der Industrie erhalten. In diesem Fall haben wir für das Album einen zu hohen EK erhalten und der VK dadurch höher ist als wenn der Kunde die Tracks einzeln kauft. Die Entscheidung darüber, ob das Album oder die Tracks einzeln erworben werden, liegt selbstverständlich alleine im Ermessen unserer Kunden.

Mit freundlichen Grüßen

<Vorname Nachname>

Saturn-Download Kundenbetreuung

Nun ja, das wäre natürlich eine Erklärung. Aber als Kunde sehe ich nur ein Preisrätsel, und wenn ich versehentlich das Album als Ganzes kaufe, fühle ich mich wahrscheinlich verarscht verhohnepiepelt. Da wäre es mir dann auch egal, ob der Fehler von Saturn verursacht oder “nur” bewusst in Kauf genommen wurde.

Interessanterweise hat Amazon dieses Problem mit demselben Album (Scorn: Yozza) nicht.

Früher, in der “LP, MC und CD”-Zeit, war zwar vielleicht nicht alles nicht besser, aber man musste definitiv weniger rechnen!

Ministry live – unsupported

Heuer war es endlich soweit: Nach 20 Jahren konnte ich Ministry live sehen. Da ich kein professioneller Konzertkritiker bin, erlaube ich mir etwas Unsachlichkeit und fasse überdies grob zusammen: Die wichtigste Erkenntnis des Abends war – und das dürfte insbesondere die älteren Semester interessieren -, dass man bereits nach ca. 10 Minuten Auf-einem-Bein-stehen deutlich weniger Rückenschmerzen hat. Ich wäre wohl besser 1992 gegangen, als die ΚΕΦΑΛΗΞΘ herauskam… dann wäre vielleicht auch weniger Playback…

Aber egal, egal, das wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Während es bisher nur um meinen zwischen den Zeilen dezent anklingenden subjektiven Eindruck ging, lässt sich eines doch vollkommen objektiv bewerten: Die Anzahl der Bands, die an diesem Abend spielten. Ein kurzer Blick aufs Ticket offenbart, dass es mindestens zwei sein sollten:

Auf der Webseite des Backstage waren Djerv als Support angekündigt. Djerv spielten aber nicht, und es gab auch keinen Ersatz. Stattdessen wartete man einfach eine Stunde – wahrscheinlich, damit die Leute, die pünktlich zu Ministry kommen wollten, nicht nur noch die letzte Zugabe gehört hätten.

Ich habe erst einmal erlebt, dass eine Band ersatzlos gestrichen wurde, und zwar die Vorband bei Rage Against The Machine im Tor 3 in Düsseldorf, IIRC war das im bereits erwähnten 1992. Ehrlich gesagt wundere ich mich immer, dass sowas nicht häufiger passiert – die Band wird auf der Tour ja doch dem einen oder anderen Virus ausgesetzt.

Aber was passiert eigentlich mit der Gage der nicht spielenden Band? Die war ja schließlich im Ticketpreis enthalten. Und selbst wenn das im Fall einer weniger bekannten Vorband nur ein kleiner Bruchteil sein sollte, hat man als Besucher ja nur das halbe Programm. Und die Vorband ist schließlich nicht zwangsläufig nur eine lästige Umverpackung, die man sowieso besser weglässt.

Damals bei Rage Against The Machine bekam jeder Besucher bei der Entwertung des Tickets ein paar Mark zurück. Als Schüler findet man sowas natürlich total cool :-) Als Erwachsener geht es mir nicht um ein paar Euro, außerdem rückt der Ticketpreis im Vergleich zum Babysitter sowieso in den Hintergrund. Aber so rein vom Prinzip her frage ich mich doch, was das Backstage mit dem übriggebliebenen Geld jetzt macht… Mal sehen, ob ich ein Statement dazu bekomme.

Das ABC der guten Unterhaltung

Ich schrieb ja bereits, dass der Jörg und ich einiges gemeinsam haben. Schon seit anno dazumal, bzw. 1995, gehen wir gerne auf Live-Konzerte. Hauptsächlich, so wurde uns kürzlich dargelegt, auf Stonerrock-Konzerte, aber auch Jazz ist gerne mal dabei. Post-Erik waren wir auf einem dieser Events, wo die Vorband sich als besser herausstellt als das Haupt-Event. Namentlich eine unmotivierte Performance von “The Atomic Bitchwax“: schlechter Sound, rotzig dahergespielt. Nach der großartigen Vorlage der Vorband “Been Obscene“, die uns bis dato unbekannt war, haben wir glatt das Konzert vorzeitig verlassen. Letztere eine Band aus dem benachbarten Salzburg, die sich am besten durch “Psychedelic Stonerrock” charakterisieren lässt. Fette Riffs, lange, psychedelisch anmutende Stücke, gute Stimme und verblüffend abwechslungsreicher Sound. Oder, wie die Webseite verspricht:

Driving riffs meet melancholic interludes, classic 4/4 beats complex rhythms and arrangements. A powerful, but sentimental up and down, that always finds its salvation in wonderful refrains.

Außerdem  vier nette Jungs, die live Spaß machen und denen es in München offensichtlich auch gefallen hat, “weil ihr seid a gut drauf” (Zitat Sänger Thomas Nachtigal).

Erik hat derweil zu Hause sein eigenes Rockfest veranstaltet und seine Oma auf Trab gehalten. Bei den nächsten anstehenden Events wird er’s hoffentlich machen wie an unserem Hochzeitstag und vier Stunden durchpennen. In den nächsten Monaten freuen wir uns auf Industrial Metal von Hanzel und Gretyl, die legendären Fu Manchu (jaja, OK, Stonerrock!) und nochmal WASP, zuletzt ja pränatal, um den Junior schon mal auf gute Musik vorzubereiten. Und die von Jörg dank Lastfm gemachte Neuentdeckung Panzerballett: Jazz-Metal. Wenn das nicht die Krönung ist.

Zu unseren Hobbys gehören neben “A wie Abrocken” natürlich auch H wie “Vor-dem-Heimkino-Hocken” und L wie Locken, äh, Lesen. Und zu guter Letzt natürlich Z wie: Zocken. Hauptsächlich Computerspiele, traditionell am C64, gerne auch in Gesellschaft.

Seit wir nun Eltern sind, wurde uns klar, dass die 8bit-Zeit vielleicht doch so lange zurück liegt, dass wir den Anschluss an die Interessen unseres Kindes verlieren könnten. Unseren Haushalt bereichert daher seit einiger Zeit eine PS2. OK, immer noch 10 Jahre zurück, aber immerhin. Bislang besitzen wir auch nur ein einziges Spiel, das aber schon für so viel Freude sorgt, dass sich die Anschaffung gelohnt hat: Need for Speed.

So hat, abends, wenn das Kind im Bett ist, die Aufforderung: “Komm, ich spiel noch mal den Cop und jage dich” nichts Anrüchiges, verspricht aber Spannung, Spiel und Speed. Wenn nicht das Babyfon dazwischenkommt.