Bei jedem Umzug wird mir wieder deutlich, wieviel Kram wir eigentlich so besitzen. Und nicht nur beim Umzug geht mir das auf die Nerven. Kram braucht Platz, fängt Staub und vor allem kostet er Nerven, weil man immer wieder überlegt, was man damit jetzt eigentlich machen soll.
Wie wird man Kram nun am besten los? Klar, man kann durch die Wohnung (und den Keller) laufen und schauen, ob einem etwas als unnötig ins Auge sticht. Ausgeleierte Joggingschuhe oder der Mietvertrag der vorvorletzten Wohnung beispielsweise. Aber das ist nur begrenzt wirksam, wie jeder weiß, der es mal versucht hat, also jeder.
Ein wenig Extra-Motivation lässt sich erzeugen, indem man eben umzieht. Dabei ist es zweckmäßig, den Umzug selbst zu machen und nicht machen zu lassen. Wir hatten z.B. 2008 dummerweise ein Umzugsunternehmen beauftragt, und unser Auspacken bestand zu einem substanziellen Teil darin, die Sachen, die in Aachen aus dem Schrank geräumt, verpackt, in Kartons gesteckt und dann nach München gefahren worden waren, dort auszupacken und direkt in den Müll zu werfen.
Aber natürlich kann man nicht ständig umziehen (obwohl das immer wieder versucht wird), also habe ich vor einiger Zeit beschlossen, das Übel bei der Wurzel zu
packen: Immer, wenn ich neuen Kram kaufe, sei es ein T-Shirt oder ein paar
Esszimmerstühle, entsorge ich eine mindestens “äquivalente” Menge alten Kram. Ich
verschenke die alten Stühle, und neulich habe ich vier oder fünf gut erhaltene
T-Shirts zum Weißen Raben, einem Münchner Gebrauchtwarenhaus, gebracht.
Dieser Prozess verknüpft also jede Neuanschaffung zeitgleich mit deren (“äquivalenter”) Entsorgung. Das ist ein ganz gutes Feedback-Loop. Wenn ich z.B. über den Kauf eines T-Shirts nachdenke (was praktisch auf jedem Konzert passiert), frage ich mich sofort, von welchem meiner bestehenden T-Shirts ich mich dafür trennen möchte, denn die Gesamtzahl ist absolut ausreichend. Meistens lautet die Antwort “Och nee… von keinem,” und die Sache hat sich erledigt.
Nicht immer ist die Äquivalenz so klar defiinierbar. Wir haben neulich eine alte Vitrine gekauft, da wäre Volumen- oder Massengleichheit schwer erreichbar. Und was ist überhaupt mit Immateriellem wie z.B. einem Tagesgeldkonto? Auch das ist Ballast, also vielleicht eine der vielen SIM-Karten kündigen, die nerven mich nämlich langsam. Im Zweifelsfall einfach kreativ sein.
Manchmal geht’s natürlich wirklich nicht, etwa bei den ganzen Sachen für Erik – das ist schlicht zuviel. Glücklicherweise wird das meiste davon früher oder später sowieso weggegeben – zumindest noch der Babykram…
Inzwischen habe ich tatsächlich bei jedem Anschaffungswunsch einen inhibitorischen Reflex. Das spart Zeit, Geld und Nerven – sehr gut, alles schonenswerte Ressourcen. Das Wegwerfen an sich fand ich immer schon befreiend, aber es kostet ebenfalls Zeit, denn man kippt ja nicht wahllos irgendeine Schublade in den Mülleimer, schon mal gar nicht in Zeiten der Mülltrennung. Dieser sonst zeitverzögerte Aufwand ist mir jetzt sehr viel bewusster.
Und wer weiss, vielleicht bin ich ihn in ein oder zwei Jahrzehnten wirklich los, den ganzen Scheiß…