Veränderung

Eigentlich ändert sich gar nicht so vieles, wenn man Vater wird. Genau genommen nur eine Sache: Diese acht komischen Teile, mit denen Ikea-Schränke an die Wand geschraubt und gegen Umkippen gesichert werden, kann man nicht mehr wegwerfen.

Sommer, Sonne, Sonnenblende

Manchmal entpuppen sich die scheinbar trivialen Dinge als unerwartet kompliziert. Beispielweise hat der westliche Kapitalismus keine Lösung für das Problem “Sonne scheint Kind auf dem Rücksitz ins Gesicht”. Zwar gibt es bei Amazon kindgerechte Plastikblenden, die irgendwie sogar eine Bewertung von 4,5 Sternen bekommen haben. Aber der Effekt entspricht in etwa dem einer dünnen Staubschicht, und die bekommt man ja üblicherweise gratis. Von Sonnenschutz kann man da eigentlich nicht sprechen.
Also einfach ein paar Saugnäpfe bestellt, vier davon an den Karton, in dem sie kamen, geschraubt, fertig.

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Halbzeit

Die Hälfte meiner Elternzeit ist schon um. Es war sicher eines der bewegtesten Halbjahre meines Lebens.

Ja, wie isses nun so? Jörg fragte mich unlängst, ob ich Vollzeit-Mama-Sein anstrengender finde als Arbeiten. Und da gab es im letzten halben Jahr Phasen, wo ich das ganz eindeutig bejaht habe: Kaum Schlaf, 24 Stunden abrufbereit, ständige Unterbrechungen. Und das noch potenziert in Krankheits- und Zahnungsphasen.

Ich werde auch gelegentlich von Kinderlosen gefragt, ob ich denn eigentlich “noch nebenher arbeite”. Mag sein, dass es Kinder und Mütter gibt, wo das wunderbar funktioniert (ohne das Kind in Betreuung zu geben). Hier jedenfalls nicht. Wenn ich dann mal “Freizeit” habe, bin ich viel zu müde und unkonzentriert, um irgendeine “Denkarbeit” zu verrichten.

Gleichzeitig erlebe ich aber größere Freiheit und Entspannung, als ich sie im Berufsleben je hatte. Langer Nachmittagsschlaf, danach erstmal Kaffee trinken. Tagsüber ausgedehnte Spaziergänge. Einfach mal mit Erik auf dem Boden sitzen und (über) Bauklötze staunen. Abends todmüde ins Bett fallen und sich ausnahmslos auf den nächsten Tag freuen. Wie oft haben mich sonst vor dem Einschlafen ungelöste Arbeitsprobleme beschäftigt. Probleme, die in meiner jetzigen Arbeit auftreten, lassen sich meist durch Füttern, Wickeln oder Trösten relativ schnell beseitigen.

Und auch das frühe Aufstehen: So sehr ich auch klage, dass ich kein Morgenmensch bin – aber das frühmorgendliche Yoga lässt mich den Tag viel bewusster beginnen. Und freundliche Kindslaute sind so viel Schöner als Weckergepiepse.

Unlängst las ich in einem ehrlichen Elternbuch, dass man mit Kind ständig gefragt wird,  ob man schon einen Rhythmus und eine Routine hat, obwohl man doch genau das mit einem Kind nicht hat. Aber einen gewissen Rhythmus von Schlaf-Füttern-Spielen gibt es natürlich schon und der hat auch etwas fast meditativ Beruhigendes. Am Anfang war es eher Rätselraten, wenn das Kind schrie, was er nur hat – jetzt reicht ein fachmännischer Blick oder ein Ohr auf die Art des Schreis. Hunger, müde, langweilig. Oder, am Schlimmsten: Aua.

Doch, mich befällt eine gewisse Melancholie, dass diese gemeinsame Reise mit Erik durch sein erstes Lebensjahr auch irgendwann ein Ende hat. Wenn Gott und die schwarz-gelbe Regierung uns hold sind, wird Eriks zweites Lebensjahr nicht minder spannend, mit Kita-Eingewöhnung und meinem erneuten Arbeitsbeginn.

Kleinstkindkunstgenuss

Ich muss zugeben: vor einer größeren Unternehmung mit Erik graut’s mir immer ein bisschen. Eine innere Stimme meldet sich, die sagt “aaach, da muss ich so viel mitschleppen (Flaschepulverthermoskannespucktuchwindelwickelauflagefeuchttücherschnullerersatz-klamotten) und was ist, wenn er anfängt zu knatschen und alle gucken?”

Dann aber fällt mir ein, dass die Alternative wäre, keine sozialen und kulturellen Unternehmungen mehr zu machen und immer zu Hause zu hocken.

Also waren wir diesen Sonntag komplett mit Kind und Oma im Haus der Kunst. Diverse Fotos von Thomas Ruff, sehr abwechslungsreich, so ziemlich alles, was man mit Kamera und Nachbearbeitung am PC machen kann. Von nachbearbeiteten Marssondenbildern über Wohnzimmeraufnahmen aus den Siebzigern bis hin zu aus dem Internet heruntergeladenen und verfremdeten Pornobildern. Außerdem Gemaltes von Wilhelm Sasnal, angeblich der polnische Roy Lichtenstein. Auf jeden Fall aber sogar für meinen Geschmack (bin eigentlich kein Fan von Gemälden) nett anzusehen.

Und Erik? War vor allem begeistert von den Oberlichtern und Lampen. Und findet es generell immer gut, durch die Gegend geschoben zu werden. Hatte eine für ihn sehr aufwühlende Begegnung mit einem anderen Baby, das ihn erschrak, weil es ihm neugierig ins Gesicht packte. Wurde von einem netten Aufseher hinreißend gefunden, der sich gar nicht von ihm trennen mochte. Und hat uns ein neues Haus der Kunst gezeigt: Wo man in Ruhe stillen kann und wie man in dem Nazi-Prachtbau den Kinderwagen vom Erdgeschoss ins Obergeschoss bringen kann (indem die Aufseher per Funk einen Lastaufzug koordinieren).

Fazit: Spaß für die ganze Familie.

Kindersprache

Gerade eine historische Stadtführung für Grundschüler mitgehört:

“… dass sie ihm untreu geworden sei! Aber dann fand er heraus, dass dem… ” – kurzes Innehalten – “… dass das gar nicht stimmte.”

Da ist der Stadtführerin also noch aufgefallen, dass “dem war nicht so” für Kinder evtl. schwer zu verstehen ist. Viel eher als diese Umschreibung hätte mich allerdings die von “untreu werden” interessiert.

Die Kinder wahrscheinlich auch…