Elterngeld und Versicherungspflicht (Wurst II)

Neulich hatte ich mich ja mal gefragt, wie sich ein durch Elterngeld (oder gar Elternzeit ohne Elterngeld) vermindertes Einkommen auf die Versicherungspflicht auswirkt. Inzwischen habe ich es vermutlich herausgefunden, durch Befragung mehrerer Instanzen.

Dabei ist zunächst festzuhalten, dass ich während der Elternzeit keine Tätigkeit auszuüben gedenke (was offenbar unüblich ist, denn der Fall “Tätigkeit während der Elternzeit” ist im Netz vergleichsweise gut dokumentiert).

Dies waren meine Informationsquellen:

1. Debeka (meine PKV)

Innerhalb einer Minute war ich mit dem richtigen Gesprächspartner verbunden und erhielt die folgende Auskunft:

Wenn keine Tätigkeit ausgeübt wird, entsteht keine Versicherungspflicht. Da ich länger als 5 Jahre privat versichert bin, könnte ich mich auch von der Versicherungspflicht befreien lassen (wie auch immer das genau aussähe).

Und als Tipp: Die Krankentagegeldversicherung während dieser Zeit aussetzen, da ja kein Verdienstausfall entstünde.

Das klang gut, allerdings wollte ich diesen Sachverhalt noch offiziell bestätigt haben. Also weiter zum…

2. BMFSFJ

Meine E-Mail wurde innerhalb eines Tages wie folgt beantwortet:

In der privaten Krankenversicherung Versicherte müssen Beiträge gemäß ihren Versicherungsbedingungen zahlen. Auch ein bislang gewährter Arbeitgeberzuschuss zur privaten Krankenversicherung muss während der Elternzeit selbst gezahlt werden. Bei Aufnahme einer Teilzeittätigkeit kann eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung begründet werden. Nähere Informationen hierzu erteilen die gesetzlichen Krankenkassen oder das private Krankenversicherungsunternehmen.

Ich empfehle Ihnen, Kontakt zu Ihrer Krankenversicherung aufzunehmen.

Das Ministerium, in dessen Zuständigkeitsbereich das entsprechende Gesetz ja schon irgendwie fällt, verweist mich also an meine private Versicherung. Gut, dann versuchen wir’s nochmal bei der…

3. AOK Bayern

Eben wurde ich telefonisch zurückgerufen (das war eine Laufzeit von ein oder zwei Arbeitstagen) und bekam die bisher präziseste Erklärung:

Für die Versicherungspflicht ist das regelmäßige Einkommen ausschlaggebend. Eine Einkommensreduzierung durch Elterngeld stellt eine Unregelmäßigkeit dar, die für die Versicherungspflicht nicht relevant ist. Gleiches gälte beispielsweise auch bei unbezahltem Urlaub.

Fazit

Nun weiß ich’s also endlich. Fragt sich nur, warum es keine Webseite gibt, auf der der Gesetzgeber das erklärt. Jeder popelige MP3-Player ist besser dokumentiert als die Krankenversicherungspflicht in Deutschland. Geht man vielleicht davon aus, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen nicht mehr lange genug existieren, um diesen Aufwand zu rechtfertigen?

Zwei Filme für frische Eltern

Unser Sohn hat ja die bemerkens- und liebenswerte Eigenschaft, dass er abends früh ins Bett geht. (Er steht dafür auch früh auf, sehr zum Leidwesen seiner Mutter, aber das ist ein anderes Thema.) Dadurch konnten wir schon recht bald unsere große Heimkino-Tradition wiederbeleben. Kürzlich gesehene Spielfilme: “Mother and Child” und “Eraserhead”.

Ersterer ein erfrischend unamerikanischer Film über, naja, Mütter und Kinder. Erinnert vom Stil her ein bisschen an “Magnolia” oder “American Beauty”. Und macht’s einem warm ums Herz, ohne dabei kitschig zu werden. Und jeder Typ Mutter ist dabei. Highlight ist sicherlich die großartige Annette Benning, die im Laufe des Films von der neurotischen Einsiedlerin zur liebevollen Großmutter wird. Aber eine Lieblingszene ist für mich auch die junge Mutter, die sehnlichst auf das adoptierte Kind gewartet hat und dann nachts verzweifelt ihre eigene Mutter anruft, weil das Baby nicht aufhört zu weinen. “I don’t love her!” – “Yes you do. You’re just sleep-deprived”. Well said.

Zweiterer Film vielleicht nicht auf Anhieb ein typischer Eltern-Film. David Lynchs Erstlingswerk und meiner Ansicht nach der konseqenteste seiner Filme. Lynch in Reinform. Ich würde nicht behaupten, alles verstanden zu haben. Und wäre das Prädikat des ersten Filmes “herzerwärmend”, so passt für Eraserhead am besten “verstörend”. Aber es gibt einen Mann, eine Frau und so eine Art Kind. Das gefüttert werden muss und nachts schreit. Ansonsten düstere Bilder von einem Meteoriten, Erdhaufen in der Wohnung, aus der ein Baum wächst und eine Frau in der Heizung. Vielleicht geht’s nicht wirklich ums Elternsein, vielleicht ist es das innere Kind, das innere düstere Verlangen, das gefüttert werden muss. Hat jedenfalls auch Spaß gemacht zu gucken. Und festzustellen: so düster ist Elternsein nicht.

Dreimonatsbilanz

Erik ist heute genau drei Monate alt. Oder auch: 13 Wochen und einen Tag. Aber ich habe mir sagen lassen, dass Normale (also Leute ohne Kinder) das nicht verstehen, wenn man das Alter des Babys in Wochen angibt. Andere Eltern nicken dagegen verständig. Wobei ich gestehen muss, dass ich auch rechnen muss, wenn mir jemand auf die Frage “wie alt?” “Siebzehn Wochen!” entgegenschmettert. Das ist wie bei den Schwangerschaftswochen, wo vier Schwangerschaftswochen einen Monat machen und man deshalb zehn Monate … aber egal. Und irgendwann gibt man das Alter des Kindes dann in Monaten an, auch wenn’s schon über ein Jahr alt ist.

Drei Monate also. Meine Mutter rief gestern an und sagte “Es gibt ja bei euch nicht nur ein Kind, sondern auch eine Mutter und die hat bald Geburtstag”. Da musste ich kurz überlegen, wer gemeint ist.

Nein, es geht mir nicht so, wie einige sagen: Dass ich mir nicht mehr vorstellen kann, wie das Leben ohne Erik war. Vorstellen kann ich mir das schon noch: Am Wochenende lange ausschlafen, spontan in eine Kunstausstellung gehen ohne Kinderwagen, Windeln, Milchpulver, Schnuller. Aber tauschen möchte ich nicht mehr. Ich hätte nie gedacht, wie spannend es ist, jemandem beim Aufwachsen zuzusehen. Gemeinsam das Greifen und Be-Greifen zu lernen. Völlig aus dem Häuschen zu sein, wenn der Sohn sich kringelt vor Lachen. Morgens aufzuwachen und sich darauf freuen, was er wohl als nächstes lernt. Momentan ganz groß: Dinge in den Mund stecken. Und mal ehrlich: Ist das nicht auch total spannend, wie verschiedene Dinge schmecken und sich anfühlen auf der Zunge? Rauh, glatt, Gummi, Holz, Stoff. Ich möchte am liebsten mitmachen.

Wir haben, bevor wir Eltern wurden, oft darüber diskutiert: Kann man beeinflussen, wie das eigene Kind wird? Ob es ein “Schreikind” ist oder eher ruhig? Ob es durchschläft, wann es ins Bett geht? Und später dann, ob es fremdelt, ob es trotzig ist? Ich habe es mir vorher auch schon gedacht und würde nun nach drei Monaten sagen: Weder noch. Oder beides. Ich persönlich glaube, ein Kind kommt mit einem gewissen Charakter oder Temperament zur Welt. Und ich glaube, dass gewisse Dinge wie Schlafrhythmus finden von selber reifen müssen. Gleichzeitig denke ich aber, dass es einen ganz entscheidenden Unterschied macht, wie man als Eltern damit umgeht. Ob man findet, dass man das Kind niemandem zumuten kann, weil es viel schreit – oder ob man findet, dass Babys halt schreien und sich schon niemand dran stören wird. Ob man versucht, sein Leben um jeden Preis so weiterzuführen wie bisher, oder sich komplett auf das Kind einstellt und und bisherige Rituale und Vorlieben vernachlässigt – oder einen Kompromiss findet. Sich über den vom Kind geschenkten Videoabend freut, wenn es plötzlich von selber früh ins Bett geht.

Ich sehe mich als Mutter gar nicht in der Lage, mein Kind groß zu ändern. Momentan empfinde ich mich eher als Coach, der das, was da ist, unterstützt und fördert. Das wird sich wohl ändern, wenn es darum geht, dem Kind die eigenen Grenzen klarzumachen. Ich erlebe das bei einigen Eltern im Freundeskreis, wo das Kind das “Nein” sehr wohl versteht, aber noch nicht als Grund versteht, aufzuhören. Da bin ich gespannt, wie meine “das Kind da abholen, wo es steht”-Philosophie dazu passt oder an ihre Grenzen stößt.

Und in der Pubertät kann man dann sowieso nichts mehr machen. Das findet auch Jesper Juul.