Irgendwie sitze ich ja im Glashaus. Schließlich verdiene ich meine unsere Brötchen in der Softwarebranche, die auch heute noch mitunter höchst eindrucksvoll demonstriert, dass eklatante Fehler dem Geldverdienen nicht unbedingt im Weg stehen müssen.
Trotzdem erfüllt es mich mit Sorge, zu sehen, wie diese Philosophie auch in anderen Branchen Fuß fasst. Bei Software kann man immer noch argumentieren, dass es unmöglich ist, alle Funktionen und alle Einstellungen zu testen. Selbst wenn ein Programm nur 10 Dinge tun kann und 10 Einstellungen hat, die jeweils nur “an” oder “aus” sein können (das reicht gerade für einen primitiven Texteditor), haben wir schon 10240 Testfälle. Und dabei ist noch nicht einmal die Interaktion mit anderen Programmen berücksichtigt.
Anders sieht es hingegen z.B. bei Büchern aus. In einem Buch kann man vorwärts und rückwärts blättern, ein Lesezeichen hineinlegen und man kann es in die Badewanne fallen lassen. Diese Features sind seit Jahrhunderten erprobt und bewährt. Lassen wir die Badewanne mal weg, so bleiben ganze drei Funktionen. Da kann man als Leser durchaus erwarten, dass ein Buch nicht nur überwiegend, sondern komplett fehlerfrei ist.
Auf dem Kindle habe ich nun kürzlich das erste defekte Buch entdeckt. Ausgerechnet im Premium-Preissegment (19,99 Fragezeichen) hielt man es bei Schöffling & Co. offenbar nicht für nötig, das Werk mal kurz auf den aktuellen Kindle zu laden und wenigstens ein paar Seiten zu überfliegen. Folgendes hätte man dann vermeiden können:
Man achte auf den Umbruch vor jedem
- Gedankenstrich. Das stört den Lesefluss doch nicht ganz unerheblich, und es findet sich auf fast jeder Seite:
In einem gedruckten Buch wäre so ein Satz undenkbar. Aber sobald ein elektronisches Gerät involviert ist, ist Herummurksen plötzlich OK? Ich weiß ja nicht… (Leider wird auch noch fernab jeglicher Elektronik gemurkst – man möchte sich fast Sorgen machen…)
Amazon hat mir das Buch zwar erstattet (und folgerichtig von meinem Kindle gelöscht), aber das Problem offenbar ignoriert. Zumindest das kostenlose Probekapitel des Buchs, das ich aus Neugier nochmal heruntergeladen habe, ist immer noch defekt.
Da mir das Buch gefiel, habe ich mir die Printausgabe gekauft. Dummerweise gab’s die nur als Hardcover, und man sieht hier deutlich, warum ich es lieber auf dem Kindle gelesen hätte:




