Unternehmenskommunikation bei der Münchner S-Bahn

Der Vietcong ist Charlie. Britische Soldaten sind Tommys. Die Deutschen die Krauts. Und wie nennt die Münchner S-Bahn ihre Fahrgäste? Herr Knodel!

Klingt komisch, ist aber so:

Bahn-KnodelAlso ich meine diesen Ausschnitt hier:

Bahn-Knodel_crIch kann mir die Dialoge im Kontrollbunker richtig gut vorstellen:

- Wie ist der Knodel denn heute so drauf?

- Oh, Samstag Abend, ganz schön aggressiv. Schalt mal lieber die Kameras ein, damit wir die ganzen Knodel nicht aus den Augen verlieren!

Oder ein Fahrer zum anderen:

Na, wie viele Knodel hattest du denn heute?

Oder in der Verwaltung:

Wie wird der Knodel wohl auf die Preiserhöhung reagieren?

Ich bin jedenfalls froh, dass ich für die S-Bahn nicht nur ein x-beliebiger Fahrgast bin, sondern ein Knodel. Eigentlich ja Dr. Knodel, aber man kann ja nicht immer alles richtig machen.

 

Keine Einsicht, schon gar nicht in Akten

Ärzte und IT, das will irgendwie nicht zusammen. Dabei könnte gerade das Gesundheitswesen – oder besser gesagt: die Patienten – von einer Cloudifizierung profitieren.

Wie genial wäre es, wenn eine Krankenakte nicht pro Arzt, sondern pro Patient, also nur einmal existieren würde? Alle Behandlungen, alle Medikamente und alle Diagnosen wären in der Cloud für alle Ärzte abrufbar. Am besten mit einem zeitlich begrenzt gültigen Token, das ich direkt in der Praxis aus dem Smartphone zaubere, während der Neuzugang neben mir darüber nachdenkt, wo er in den letzten 10 Jahren geröntgt worden ist oder ob bei ihm schon einmal eine Überempfindlichkeit gegen Xylometazolinhydrochlorid diagnostiziert wurde.

Wie viel Schaden entsteht dadurch, dass Ärzte ihre Behandlungen nicht miteinander abstimmen, weil sie sich darauf verlassen, dass dem Patienten ja schon irgendwie klar sein müsste, dass eine Froblifikation frühestens drei Monate nach einer Blorzifizierung erfolgen darf? Wie viel effizienter könnte man therapieren, wenn man sich gemeinsam koordinieren würde? Ganz zu schweigen von einer automatisierten Analyse, die z.B. auf der Grundlage bekannter Korrelationen Risikofaktoren entdeckt, die zufällig nicht in ein einziges Fachgebiet fallen.

Das gegenwärtige papierbasierte System ist ziemlich kaputt und funktioniert nur dann halbwegs, wenn ich mich als Patient von allen Ärzten regelmäßig schriftlich auf den aktuellen Stand bringen lasse. Diesen Papierstapel müsste ich dann eigentlich bei jedem Arztbesuch mitbringen, denn ich weiß ja nie, welche der historischen Informationen der aktuelle Arzt benötigt. Zumindest muss ich darauf zugreifen können, wenn sich eine konkrete Nachfrage ergibt.

Das ist in der Praxis gar nicht so einfach. Aktuell plane ich gerade eine Hyposensibilisierung gegen bestimmte Pollen. Das habe ich vor etwa 10 Jahren schon einmal mit gutem Erfolg gemacht, damals noch in Aachen. Sinnvollerweise möchte nun mein Münchner Arzt nachschauen, was denn genau gespritzt worden ist, um die neue Therapie entsprechend abzustimmen.

Also habe ich das “MVZ Ambulantes Zentrum für Lungen- und Bronchialheilkunde, Dr. von Kirchbach, Dr. Lersch” (das offenbar keine Webseite hat) angeschrieben und um Zusendung der Patientenakte gebeten. Das war vor gut einem Monat. Bisher hielt das MVZ eine Beantwortung dieses Schreibens nicht für nötig. Ein Schelm, wer nun denkt, da wäre einfach nur jemand zu faul, die Unterlagen zu suchen…

Aber gemäß § 10 Abs. 2 BOÄK habe ich ein Recht auf die Herausgabe dieser Daten (nachzulesen z.B. hier). Wäre ja noch schöner :-) Also muss ich wieder mal einen Droh-Aufklärungs-Brief schreiben und dem fußmaladen Praxispersonal eröffnen, dass wir alle im Leben unser Päckchen zu tragen haben. Und wenn es besonders hart kommt, müssen wir dieses Päckchen sogar aus dem Keller kramen.

Im medizinischen Bereich finde ich schlechten Kundenservice noch viel danebener als bei irgendwelchen Konsumprodukten. Wenn mir ein Elektronikhändler auf die Nerven geht, kaufe ich meinen Kram eben woanders. Den Arzt zu wechseln ist da schon eine wesentlich größere Herausforderung.

Kundenservice

Da mich dieses Thema immer wieder beschäftigt und auch des Öfteren ins Blog hineinschwappt, lege ich einfach mal eine dedizierte Kategorie dafür an.

Als ich noch Schüler war, und eigentlich auch noch als Student, kurzum: solange ich noch kein Geld verdiente, habe ich Kundenservice – bzw. dessen Versagen – irgendwie als gottgegeben hingenommen. Mit meinem Akai-GX-75-Tapedeck bin ich 13 Mal mit dem Bus von Mettmann nach Düsseldorf gefahren, weil die Pappnasen bei Medialand es nicht vernünftig repariert bekamen. (Was hatte man damals noch Zeit… irre…)

Seit ich selber berufstätig bin, habe ich kein Verständnis mehr für Leute, die ihren Job einfach nicht machen. Schließlich tausche ich ja quasi meine Arbeit geren deren Arbeit, und zwar über das Medium Geld, was wiederum (Arbeits-)Zeit entspricht. Und meine Zeit ist mir lieb und teuer :-)

Dementsprechend gehe ich heute etwas zielstrebiger und informierter an das Thema heran. Grundsätzlich alles im Versandhandel zu kaufen, macht die Sache schonmal deutlich einfacher. Hin und wieder entstehen aber trotzdem Stories, auch weil ja leider nicht alles per Versand erledigt werden kann. Manchmal überkommt mich dann ein gewisses Mitteilungsbedürfnis, daher nun diese Kategorie.

Gelegentlich bin ich auch mal geplättet von gutem Service, aber meistens sind die Geschichten doch eher von der haarsträubenden Art. Ist vielleicht gar nicht schlecht, Schimpfen ist definitiv unterhaltsamer als Loben…