Du weißt, dass du kürzlich Mutter geworden bist, wenn …

… du in all deinen Jacken- und Handtaschen Schnuller und Windeln findest.

… du dich nach fünf Stunden ununterbrochenem Schlaf ausgeschlafen fühlst.

… du bei “U4″ nicht an den Münchner Verkehrsverbund, sondern den Kinderarzt denkst.

… du die Eltern von anderen Babys, denen du auf der Straße begegnest, nicht fragst, wie der/die Kleine heißt, sondern dich gleich nach Geburtsgröße und -gewicht erkundigst.

… dir wildfremde Menschen eine ruhige Nacht wünschen.

… du bei auf dem Bürgersteig parkenden Autos überprüfst, ob ein Kinderwagen dran vorbei passt – auch, wenn du dein Kind gar nicht dabei hast.

… dir erst, nachdem du schon aus dem Haus gegangen bist, auffällt, dass du heute noch gar nicht in den Spiegel geschaut hast.

… du schon ewig die Idee für diesen Blog-Artikel hattest, aber nie dazu gekommen bist.

 

(Ergänzungen erwünscht!)

Immobilien in München

Diese beiden Worte harmonieren ungefähr auf dieselbe Weise wie “Nitro” und “Glycerin”.

Wenn man sich näher damit befasst, hat der Münchener Markt aber durchaus auch seine unterhaltsamen Seiten. Wie bereits beschrieben, wurde ungefähr zeitgleich mit unserem Auszug (trotzdem vermutlich nicht dadurch bedingt) auch die Ex-Nachbarwohnung zum Verkauf angeboten – damals als wohnfreundlich, eine Eigenschaft, die bei einer Wohnung ja prinzipiell durchaus von Nutzen sein kann.

Dieses Wort hat einen festen Platz in meinem Herzen gefunden, und so suchte ich heute in einer Stunde der Einsamkeit den darbietenden Marktplatz auf, um die als begehrt gepriesene Wohnung hinsichtlich des Grades ihrer Begehrtheit ein bisschen zu quantifizieren. Das Ergebnis hat mich überrascht:

Die Wohnung ist offenbar dermaßen begehrt, dass ein einzelnes Angebot gar nicht mehr ausreicht. Vielmehr finden sich nun derer zwölf, und bis auf einen kleinen Rundungsfehler von €35.000 haben alle den gleichen Preis. Ein Schelm, wer nun vermutet, das würde ahnungslose Käufer von dessen Durchschnittlichkeit überzeugen, oder gar irgendwelche Statistiken beeinflussen.

Die Fotos bemühen sich redlich, möglichst verschieden auszusehen, und sogar die Grundrisse wurden differenzierend bunt eingefärbt. Die Überschriften decken eine große Bandbreite potenzieller Käuferpräferenzen ab:

Wohlfühlen im Grünen und doch Zentral

Kompakt und griffig für den eiligen Legastheniker, der Informationsflut des Alltags geschickt ausweichend.

Erdgeschosstraum in Pullach mit Garten

Auf so ein Wort muss man erstmal kommen – Respekt. Keine weiteren Fragen.

Zauberhafter Garten mit 3,5 Zimmer-Wohnung in Pullach sucht liebevolle Eigentümer

Eine innovative Inversion der etablierten Hierarchie, allerdings würde mir persönlich ein derart aktiver Garten doch etwas Angst einflößen.

Ruhige 3-Zimmer-Wohnung mit Garten, Kamin, 2 Bäder mit Fenster, Hobbyraum, Einzel-TG, S-Bahn 3 Minuten

Hier hat ganz klar ein Intellektueller getextet, die Lektüre des Exposés ist nach der des Titels fast überflüssig. Mein heimlicher Favorit – das ließe sich nur noch durch Ergänzen des base64-codierten Grundrisses als gezippte ASCII-Grafik überbieten.

Das war alles bei immonet.de. Natürlich darf aber auch immobilienscout24.de nicht fehlen:

Ruhig 3-Zimmer-Wohnung mit Garten, Kamin,Hobbyraum, 2 Bäder mit Fenster, Einzel-TG, S-Bahn 3 Minuten

Ruhige 3-Zimmer-Wohnung mit Garten, Kamin, 2 Bäder mit Fenster, Hobbyraum, Einzel-TG, S-Bahn 3 Min.

Erdgeschosstraum in Pullach mit Garten

Wohlfühlen im Grünen und doch Zentral

Zauberhafter Garten mit 3,5 Zimmer-Wohnung in Pullach sucht liebevolle Eigentümer

Die hatten wir alle schon.

Süden hoch² !

Aha, ein Mathematiker! Präzise bis ins Superskript, bleibt dem Leser trotzdem ein gewisser Vorstellungsspielraum.

+++ Charmantes Ambiente in guter Lage +++

Der preisliche Highscore, in bewährter Ebay-Manier gekennzeichnet. Es fehlt vielleicht noch ein TOP oder OVP.

Begehrte wohnfreundliche 3-Zimmer-Gartenwohnung in ruhiger Lage im Herzen von Pullach!

Der Klassiker! Es gibt ihn noch! Ich hatte schon befürchtet, dieser begehrte Kulttext wäre für immer in den Datenbanken verloren gegangen, als ich ihn auf Immonet heute nicht mehr fand. Aber es sieht so aus, als bliebe er der Welt doch noch bis auf Weiteres erhalten.

Abschließend fasse ich ein paar technische Daten aus den obigen zwölf Originalquellen zusammen: Der Preis schwankt um 35.000€, der des Stellplatzes um 6.000€, die Wohnfläche zwischen 100qm und 120qm, und die Zimmerzahl zwischen 3 und 4. Die einzige Konstante ist die Maklerprovision von 3,57% – wahrscheinlich ist das das legale Limit.

Diese eine begehrte Wohnung repräsentiert übrigens fast die Hälfte der Pullacher Angebote in Immoscout, auf Immonet sind es sogar satte zwei Drittel. Eine Strategie, die sich bei Potenzmitteln und Rolexuhren aus Plastik bewährt hat, muss doch eigentlich auch für Wohnungen in München funktionieren, oder?

Man darf gespannt sein, wie die Suche des sich wohlfühlenden Zaubergartens und seines Erdbeertraums weitergeht…

Goldgelb bis grün

Nach dem Abitur ging eine meiner besten Freundinnen als Au-Pair nach USA. Wir haben Tränen gelacht, als sie von ihrem Vorbereitungs-Seminar erzählte: Da wurden unter anderem ausführlich Farbe und Konsistenz von Babykot besprochen. “Goldgelb bis grün, schaumig bis cremig” wurde bei uns zu einem geflügelten Wort.

In etwas jüngerer Vergangenheit wurde mir, als ich ein befreundetes Paar mit Kind besuchte, zur Begrüßung stolz der Windelinhalt (!!) des Sohnemanns präsentiert mit den Worten: “Kuck mal, er hat Kacka gemacht!” Da hat man, dachte ich, studiert oder sogar promoviert, um sich dann plötzlich für Ausscheidungen zu begeistern. Muss das so, wenn man Eltern wird?

Mal ehrlich: Niemand kann behaupten, dass sie Mutter werden will, weil es so toll ist, nachts um drei vollgekackte Windeln zu wechseln. Und nebenbei auch noch die gesamte Kleidung des Nachwuchses. Um anschließend wieder von vorne anzufangen, weil der Sohn am liebsten FKK-kackt und sich, sobald die Windel ab ist, ein weiterer Schwall auf den Wickeltisch ergießt.

So habe ich auch nie zu träumen gewagt, dass ich eines Tages die Farbe, Form und Konsistenz des “großen Geschäfts” so genau begutachte. Oder mir gar, weil wir plötzlich einen “Code Green” haben, einen bebilderten Babykotratgeber im Internet anschaue. (Wer jetzt auf den Link klickt, sage nicht, er habe nicht gewusst, was ihn erwartet.)

Oder, wie der Leitartikel dieses – wirklich hilfreichen! – Ratgebers schreibt:

Es ist erstaunlich, wie viel Zeit Mütter damit verbringen, den Inhalt der Windel ihres Babys zu inspizieren, um herauszufinden, ob die Häufigkeit, die Konsistenz oder die Farbe in Ordnung sind.

Amen.

Eriks erster Brief…

…kommt vom Finanzamt! Dort beweist man tatsächlich Sinn für Humor: Nach einer kurzen geschlechtsneutralen Anrede kommt das Schreiben ohne Umschweife auf den Punkt und spricht Erik direkt an:

Das Bundeszentralamt für Steuern hat Ihnen die Identifikationsnummer 12345 zugeteilt. [...] Sie werden daher gebeten, dieses Schreiben aufzubewahren, auch wenn Sie derzeit steuerlich nicht geführt werden sollten.

Ist aber auch wirklich schlimm, diese einkommenslosen Säuglinge! Liegen dem Steuerzahler auf der Tasche, brauchen in der Bahn extra viel Platz und sind noch nicht mal arbeitssuchend gemeldet. Da fehlt einfach jegliche Leistungsbereitschaft.

Auch wenn Sie erst vier Wochen alt sind, immer noch bei Ihren Eltern wohnen und noch nicht lesen können, bewahren Sie bitte dieses Schreiben auf.

Wenn das mal keine Motivation ist, Lesen zu lernen.

Kommen Sie nicht in 18 Jahren angekrochen und bitten uns, dieses Schreiben schon wieder auszudrucken.

Vermutlich weiß in 18 Jahren niemand mehr, was eigentlich nochmal eine Steueridentifikationsnummer war. Wenn dann überhaupt noch jemand so komplizierte Worte versteht.

Ach, heute war ein Scheißtag, und das Finanzamt kriegt’s wieder ab – eigentlich auch nicht ganz fair. Hier ist jedenfalls die Auflösung:


Also wenn ich das so lese… vielleicht ist die direkte Anrede wirklich Humor, und ich hab’s nur nicht verstanden?

Adultifizierung

Wo wir gerade bei Neologismen sind: Anthropomorphismus heißt es, wenn man Tieren (oder Naturgewalten oder Göttern) menschliche Eigenschaften zuspricht. Delphine z.B. haben eine Schnauze, die aussieht, als würden sie lächeln. Deswegen meinen die meisten, sie wären immer freundlich. Unsere Katzen reden auch, und wir antworten natürlich.

Ein entsprechender Begriff fehlt mir, der beschreibt, was Eltern mit ihren noch nicht kommunikationsfähigen Säuglingen machen: Wir attribuieren Gefühle oder Intentionen. Geht fast nicht anders, denn irgend eine Bedeutung muss es doch haben, wenn das Kind schreit (oder eben gerade nicht). Wenn der Sohn also in der Badewanne mit großen Augen sitzt, sagen wir “es gefällt ihm”. Wo für Jörg aber die Grenze ist: Wenn Erik hektisch versucht, zu trinken, und dabei schreit, sage ich: “er ärgert sich”. Ärger, so der Kindsvater, ist doch eher ein erwachsenes oder zumindest reiferes Phänomen. Die gleiche Grenze ist bei mir erreicht, wenn Jörg sagt “Er steht gerne im Mittelpunkt”. Tatsächlich ist Erik erstaunlich friedlich, wenn viel um ihn herum passiert. Wenn er von den Nachbarn bestaunt und gepriesen wird (Natürlich! Er ist das schönste und süßeste Baby der Welt! Will jemand was anderes behaupten?), wenn seine Eltern (plus Großmama) ihm beim Baden zuschauen. Meine Interpretation ist aber eher, um mit den Worten von Nummer 5 zu sprechen: Er braucht Input.