Support-Bands im Backstage: optional!

Neulich war beim Ministry-Konzert im Backstage die angekündigte Support-Band Djerv ersatzlos ausgefallen, und ich wollte ja mal Sendung-mit-der-Maus-mäßig herausfinden, wie es dazu kam, und vor allem was mit dem entsprechenden Anteil des Ticketpreises passierte.

Zunächst wurden meine freundlichen Mails ignoriert, aber ein etwas barscher Brief brachte dann doch eine Antwort der Geschäftsleitung:

Die Agentur, die das Konzert veranstaltet, garantiert auch uns gegenüber nur den Auftritt des Headlines, auch wir haben keine Möglichkeit der Kostenreduzierung bei entfallen eines Supports.

Aha, die Supportband ist also völlig optional – das hätte ich nicht gedacht. Und auch erstaunlich, dass der Kunde komplett im Regen steht und keinen Cent zurückerhält. Wie gesagt, das war auch mal anders.

Woran lag es denn eigentlich, dass Djerv nicht spielen konnten?

Die Support  Band hat nicht gespielt weil es vom Routing Keinen Sinn gemacht hat.

Ich bin kein Experte, und ab dieser Stelle hat das Backstage meine Mails auch nicht mehr beantwortet. Aber mal schaun, Djerv spielten am 2.8. in Wacken, und Wacken ging noch bis zum 4.8., da hatte man vielleicht keine Lust, bis zum 6.8. die 850 km nach München zu fahren…

Hmm… also Krankheit, persönliche Notlage und meinetwegen auch bandinternen Streit könnte ich ja vollkommen nachvollziehen, aber wenn das wirklich der Grund war, fände ich es schon reichlich uncool, sich eine derartige Planung auch noch voll bezahlen zu lassen.

M-Net: Ewig gebunden?

Letzte Woche hat M-Net uns auf den AB gesprochen und sich für die Fehler der Vergangenheit entschuldigt. Das hat mich positiv überrascht, denn die Mitarbeiterin war wirklich freundlich, und mit dem Entschuldigen tun man sich heute ja oft schwer.

Satte zwei Monate Bearbeitungszeit sind dann allerdings doch ein bisschen viel. Und meine Kündigung per E-Mail wurde einfach mal unter den Teppich gekehrt. Nun muss also doch noch die Post ihre 55 Cent verdienen und ein Baum im Regenwald abgeholzt werden, meine Lungen einen Schwall Feinstaub aus dem Laserdrucker inhalieren und ein Teich voller Fische krepieren, in den das Entsorgungsunternehmen den toxischen Toner-Rest kippt. Dass ich auf dem Weg zum Briefkasten wahrscheinlich von einem Auto angefahren werde, fällt da eigentlich kaum noch ins Gewicht.

Deutsche Tugenden

Wir haben vor unserem Kellerabteil eine Handvoll Plunder abgestellt, was glatt der Hausordnung widerspricht. Die Hausordnung ist in meinen Augen kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, das Zusammenleben mehrerer Menschen unter einem Dach zu regeln. Wenn jemand seinen Benzin-Rasenmäher oder seine Harley mit Beiwagen in den Hausflur stellt, kann man auf die Hausordnung verweisen.

Der Deutsche hat allerdings offenbar einen Hang dazu, Regeln durchzusetzen, auch wenn es ihm gar nichts nützt. Und so wurde unsere illegale Anhäufung am Dienstag zwangsgeräumt. Jetzt ist Schluss mit dem Lotterleben.

Irgendwo sitzt nun also jemand, der sich gewiß ist, acht Menschen (und indirekt wahrscheinlich auch zwei Katzen und einen Hund) geärgert zu haben. Dafür kann er jetzt mit seiner Harley durch den Kellerflur fahren. Ob der Beiwagen passt, müsste ich allerdings nachmessen.

Du Wurst Deutschland!

Ich bin privat versichert, und das darf ich, weil mein Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Ist ja logisch.

Was passiert aber nun, wenn ich Elternzeit nehme? Dann bekomme ich eine Zeit lang Elterngeld und danach gar nichts, denn Elterngeld gibt’s pro Kind für beide Eltern kumulativ maximal 14 Monate. Nähme Niki also etwa ein Jahr Elternzeit und ich ein halbes, dann hätte ich zwei Monate lang ein reduziertes und vier Monate lang gar kein Einkommen. Mein Jahresbruttoverdienst würde also geringer ausfallen.

Huch, werde ich dann vielleicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung? Eine absolute Standardfrage, schließlich teile ich dieses Schicksal mit allen privat versicherten Eltern, die Elternzeit nehmen und mehr als €300 netto verdienen.

Wie einfach wäre es nun für das BMFSFJ, eine kleine Webanwendung zur Verfügung zu stellen, in der wir unsere Situation eingeben (alle drei privat versichert, Einkommen soundso, Elternzeit dann und dann) und die uns daraufhin sagt, welche Möglichkeiten wir hinsichtlich der Krankenversicherung haben. Oder man könnte zumindest einen Text verfügbar machen, der die Gesetzeslage beschreibt, die das Ministerium ja (hoffentlich zumindest mit-) gestaltet hat.

Die entsprechende Seite, zuletzt aktualisiert am 01.01.2011 (war da wirklich ein Update am Feiertag?), bewirbt vollmundig “konkrete Antworten” und hat ganz tolle Buttons für Facebook, Twitter und sogar mySpace (was war das nochmal?). Aber der einzige Inhalt, eine 83-seitige PDF-Broschüre, erwähnt unseren Fall nicht einmal.

Googeln liefert Seiten wie frag-einen-anwalt.de, wer-weiss-was-ich-weiss-nix.de oder gutefrage-naechstefrage.net. Fantastisch.

Ich finde, wenn man schon einen Gesetzesdschungel baut (alles die Schuld der Vorgängerregierung, klar), sollte man es im Jahre 2012 wenigstens auf die Reihe kriegen, ihn vernünftig online zu dokumentieren. Wenn ich so programmieren würde, wie diese Leute arbeiten, müsste ich mich vermutlich mit der Frage “Elterngeld und Hartz IV” auseinandersetzen.

Was war nochmal Einkaufsstress?

Seit wir in München leben, kaufen wir außer Lebensmitteln alles per Mailorder. Halbwegs coole Geschäfte gibt es hier nicht haben wir hier noch nicht gefunden. Amazon dagegen hat alles, berät dank Rezensionen besser als (fast) jeder Verkäufer, ist nicht beleidigt, wenn man nicht sofort zugreift, bietet günstige Preise, tauscht 14 Tage lang ohne schuldinduzierenden Blick alles um, ist rund um die Uhr geöffnet und liefert auch nach München.

Ich habe heuer (dt.: dieses Jahr) 109 110 Bestellungen bei Amazon (incl. Marketplace) getätigt. Das sind über zwei pro Woche. Die größte enthielt 12 Artikel, so dass ich im Warenkorb umblättern musste. Nikis Bestellungen sind da nicht mitgezählt, und das Jahr ist auch noch nicht vorbei.

Jede einzelne dieser Bestellungen verlief zu meiner Zufriedenheit. Einige habe ich zurückgeschickt, auch das ging immer reibungslos. Durch die A-Z-Garantie hat man auch bei Markteplace-Verkäufern immer Netz und doppelten Boden: Amazon erstattet bei Händlern, die nicht auf Reklamationen reagieren, den kompletten Kaufpreis (das habe ich in den letzten fünf Jahren ganze zwei Mal genutzt).

Stress beim Einkaufen habe ich seitdem nicht mehr. Ich mache das gemütlich am Wochenende oder abends auf dem Sofa (100% babykompatibel). Es ist mir unerklärlich, warum so viele Menschen gerade am Samstag extra in die Stadt fahren (einige nehmen dazu sogar ein Auto!), durch überheizte Verkaufsräume rempeln, ahnungslose Azubis nach Produkten fragen, von denen diese dem Gesichtsausdruck nach noch nie (oder frühestens gestern) gehört haben, letztendlich etwas kaufen, das dem eigentlich Gesuchten bestenfalls ähnlich ist, und für das ganze auch noch einen Preis bezahlen, der praktisch immer höher ist als im Mailorder. Gratis dazu gibt’s noch den aktuellen Grippevirus.

Neckermann

Kommt man allerdings auf die Idee, nicht bei Amazon, sondern bei einem anderen Versender zu bestellen, wird es gelegentlich unterhaltsam. Neckermann beispielsweise hat zwar ein gutes Babyzubehör-Sortiment, bemerkt aber erst mehrere Tage nach der Bestellung, dass “sofort lieferbare” Artikel eigentlich doch schon weg sind. Wenn man dann beim Service anruft, sind genau diese Artikel plötzlich wieder da.

Im After-Sales-Bereich setzt Neckermann auf altbewährte Fußnotenverarschung. So erhielt ich eine Mail mit der folgenden vielversprechenden Überschrift:

50 € Kunden-Vorteil

Klingt ja toll! In einer kleinen hellgrauen Fußnote zwei Bildschirmseiten darunter jedoch:

Der Mindestbestellwert beträgt 500.- € (Bestellwert ohne Versandkosten und nach Abzug aller Retouren).

Vielleicht hätte ich nicht so schnell zahlen sollen, denn nun war ich ganz offensichtlich in der Kategorie “muss dringend Geld loswerden” geführt. Natürlich hatte ich nirgendwo “[x] Müllt mich mit Werbung zu, ich krieg ja sonst keine Mails” angekreuzt.

lauf_bar

Das ist ein Laden im Münchner Norden, mit einer wirklich guten Webseite. Irgendwann hatte ich dort mal bestellt, und pünktlich zu Weihnachten kam per Papierpost ein Gutschein über 10€, Mindestbestellwert 50€. Normalerweise werfe ich sowas immer sofort in den Müll, denn es ist immer irgendein Haken dabei. Diesmal war ich kurz unaufmerksam, bestellte zwei Kleidungsstücke, musste eines davon zurückschicken, und damit fiel der Gesamtbestellwert unter 50€.

Hier hat der Händler nun zwei Optionen: Er lässt den Gutschein weiterhin gelten (so geschehen z.B. bei baur.de) und beglückt damit den Kunden, oder er storniert ihn. lauf_bar entschied sich für die zweite Variante. Als ich heute dort anrief und mir zu fragen erlaubte, ob man denn den Gutschein nicht wenigstens anteilig gelten lassen könnte, lachte der Mitarbeiter nur. Gut, das liegt vielleicht an den Preisen und hat gar nichts mit mir zu tun. Vielleicht ist auch einfach das Betriebsklima so schön. Der erklärte Verlust eines Kunden brachte weitere Erheiterung meines Gesprächspartners. Im Angesicht von so viel Selbstvertrauen musste ich dann auch schmunzeln. Bestellt habe ich anschließend bei Amazon. Ohne Versandkosten und ohne Gefummel.