An dieser Stelle habe ich mir vorgenommen, was Tiefisinniges über Weihnachten zu schreiben.
In meinem alten Blog habe ich vor ein paar Jahren einen Artikel über das Thema “Besinnlichkeit” geschrieben. Viel Zeit zum Besinnen und Sinnieren blieb mir dieses Jahr nicht; dazu braucht man wahrscheinlich mehr Zeit am Stück und meine Zeit wird momentan vorportioniert. Dadurch lassen sich zwar Dinge wie Schnuller abkochen und Spülmaschine ausräumen erledigen, nicht aber unbedingt Nachsinnen und Philosophieren. Heute aber saß ich mit Erik auf dem Arm in unserem Wohnzimmer und schaute in den – leider wieder vollkommen grünen – Garten. Mir fiel dieses etwas kitschige Bing-Crosby-Lied ein:
When I’m worried and I can’t sleep
I count my blessings instead of sheep.
Auch wenn ich nicht an ein übergeordnetes, segnendes Wesen glaube – ich fühle mich in diesem Jahr wirklich reich beschert und gesegnet. Ich habe einen Job, der mich in vielerlei Hinsicht erfüllt und in den ich jederzeit nach der Babypause wieder einsteigen kann. Ich habe eine tiefe, innige, herzerwärmende Beziehung. Eine wunderschöne Wohnung am Rande Münchens. Zwei Katzen, die mir jeden Tag aufs Neue zeigen, wie man einfach leben und genießen kann ohne zu hinterfragen. Keine finanziellen Nöte. Ausreichend stabile Gesundheit. Und natürlich, last but not least, einen kleinen prachtvollen Wonneproppen. Da ist es eigentlich fast zu viel, mir zu Weihnachten auch noch was zu wünschen oder mir für das nächste Jahr gute Vorsätze zu machen; es darf einfach alles so weitergehen.
Dazu allerdings eine Erinnerung aus grauer Vorzeit: Jörg und ich waren noch nicht lange zusammen (wir schreiben also das Jahr 1995 oder 1996), da waren wir auf einem Klavierkonzert eines Bekannten. Wir waren frisch verliebt und die Klaviermusik war so wunderbar romantisch, da nahm ich seine Hand und sagte:
“So soll es für immer bleiben. Nichts soll sich ändern.”
Antwort Jörg: “Es wird sich aber ändern. Das geht ja gar nicht anders”.
Über diese Begebenheit haben wir öfter noch schmunzelnd gesprochen. Mit 15 war ich entsetzt – heute gebe ich ihm recht. Es ändert sich vieles, zum Glück – und manches bleibt zum Glück auch beim Alten.
Also gut: Es wird sich vieles ändern in den nächsten Jahren. Allen voran Erik, der im Moment täglich neu die Welt mit seinen großen Augen erfährt.
… und ist das nicht auch, worum es bei Weihnachten geht? Neuanfang. Licht in der Dunkelheit. Wintersonnwende. Die Geburt eines neuen Hoffnungsträgers.
Zum Abschluss ein bisschen Angeberei: Jedes Jahr kreire ich ein neues Weihnachtsmenü, das an Heiligabend serviert wird. Dieses Jahr gibt es bei uns:
Cremige Avocado-Minze-Suppe
Rucola-Pastinaken-Salat an Walnuss-Tofu-Dressing
Tofucreme-Zwiebeltarte mit Salbei und Cranberries
Weihnachtlich gewürzte Eisbombe