Es gibt immer wichtige Dinge und lustige Dinge zu tun, und die wichtigen sind meistens wichtiger als die lustigen, aber ich finde irgendwie auch das Lustige wichtig, und manchmal ist das Wichtige zudem so unlustig, dass ich meiner Lust auf das Lustige nachgebe. Soviel zu der sich im Folgenden aufdrängenden Frage, ob mir die €5,55, derer ich verlustig (tätä) gegangen bin, wirklich soviel Zeit wert sind :-)
Aber nun zurück zu einer kurzen Abschweifung: Auf Linux-Systemen (keine Angst, das Thema wechselt gleich) ist /dev/null eine Art schwarzes Loch im Dateisystem: Was man dorthin schreibt, verschwindet einfach. Das ist z.B. praktisch, wenn ein Programm partout darauf besteht, einen Text auszugeben, und man diese Ausgabe wirkungsfrei verschwinden lassen möchte.
Die Firma Johann Gg. Zölls hat dieses Konzept im realen Leben umgesetzt: /dev/null ist hier als Fotoautomat implementiert, und die wirkungsfrei verschwundene Ausgabe sind fünf meiner sauer verdienten Euronen. Man hatte das Konzept konsequent zu Ende gedacht und auch den Geldrückgabeknopf außer Funktion gesetzt. Der Kunde, der also partout eine Ausgabe tätigen will, kann so einen Automaten aufsuchen und sich seines überschüssigen Geldes wirkungsfrei entledigen. Sehr praktisch, wo doch der Euro sowieso keine Zukunft hat.
Aber damit nicht genug: Johann Gg. Zölls verwendet dasselbe Prinzip auch im Rahmen der bei einer Automatenfirma naturgemäß wenig anspruchsvollen Kundenbetreuung und ignoriert mein durchaus höfliches (wenngleich weitgehend humorloses) Schreiben:
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 20.11. um 15:30 habe ich versucht, Ihrem Automaten Nr. 4503 ein Passfoto zu entlocken. Der Automat hat meine eingeworfenen Münzen (€2 + €2 + €1) geschluckt, aber keinen Mucks von sich gegeben. Der Rückgabeknopf ließ sich ebenfalls nicht drücken.
Unter http://zieren.de/tmp/4503.jpg finden Sie ein Foto mit der Automatennummer.
Bitte erstatten Sie mir die vom Automaten einbehaltenen €5 sowie die Portokosten von €0,55 auf mein Konto XXX, BLZ YYY. Verzug tritt ohne Mahnung ein am 02.12.2011.
Bei solchen Beträgen ist es immer besonders lustig, einen Mahnbescheid zu erstellen, dessen Gebühren von €23 den Streitwert um ein Vielfaches übertreffen. Das ist ganz einfach online möglich, und wenn man’s einmal gemacht hat, dauert’s nur noch 5 Minuten.
Nach meiner bescheidenen Erfahrung zahlen die meisten Schuldner bei Erhalt eines solchen Schreibens. Man muss eine angemessene Frist setzen, wobei insbesondere in den AGB vereinbarte Fristen zu beachten sind. Steht dort z.B., dass der Vertragspartner 4 Wochen Zeit zur Erfüllung von Forderungen hat, darf die gesetzte Frist dies nicht unterschreiten.
Mal sehen, ob die Firma Zölls meiner bescheidene Bitte doch noch nachkommt. Schließlich ist Weihnachtszeit, und ich hatte doch schonmal gesagt, dass gefälligst alle nett zueinander sind, Herrschaftszeiten!