Du weißt, dass du kürzlich Mutter geworden bist, wenn …

… du in all deinen Jacken- und Handtaschen Schnuller und Windeln findest.

… du dich nach fünf Stunden ununterbrochenem Schlaf ausgeschlafen fühlst.

… du bei “U4″ nicht an den Münchner Verkehrsverbund, sondern den Kinderarzt denkst.

… du die Eltern von anderen Babys, denen du auf der Straße begegnest, nicht fragst, wie der/die Kleine heißt, sondern dich gleich nach Geburtsgröße und -gewicht erkundigst.

… dir wildfremde Menschen eine ruhige Nacht wünschen.

… du bei auf dem Bürgersteig parkenden Autos überprüfst, ob ein Kinderwagen dran vorbei passt – auch, wenn du dein Kind gar nicht dabei hast.

… dir erst, nachdem du schon aus dem Haus gegangen bist, auffällt, dass du heute noch gar nicht in den Spiegel geschaut hast.

… du schon ewig die Idee für diesen Blog-Artikel hattest, aber nie dazu gekommen bist.

 

(Ergänzungen erwünscht!)

2011::Jörg

Schnell schnell, bevor 2012 vorbei ist! Nach der Vorlage meiner Gattin, allerdings muss ich zugeben, ihren Text schon gelesen zu haben, ist also diesmal kein Parallelbloggen wie neulich.

Zugenommen oder abgenommen?

Männlich, da ist das egal.

Aber im Ernst: 1kg abgenommen.

Haare länger oder kürzer?

Länger.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Unverändert.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Keinen blassen Schimmer. Ich führe nicht Buch. Wahrscheinlich ein bisschen mehr durch den Umzug in die größere Wohnung mit größerer Miete. Ach so, und die ganzen Kindersachen. Jaja, mehr ausgegeben.

Mehr bewegt oder weniger?

Weniger. Aber immerhin noch gut 20km/Tag geradelt (zur Arbeit und zurück). Viel zu wenig im Fitness-Studio gewesen.

Der hirnrissigste Plan?

Zu glauben, bei Kyuss im ausverkauften Backstage mitten im Moshpit die Brille nicht abnehmen zu müssen. Etwa 500 Euronen.

Ähnlich gelagert: Vergessen, mein Portemonnaie aus der Tasche meiner Hose zu nehmen, als ich selbige im Krankenhaus Harlaching in der OP-Personal-Umkleide zurückließ, um Niki beim Kaiserschnitt beizuwohnen. Ebenfalls etwa 500 Euronen. Und sämtliche Papiere, die man ja nach der Geburt eines Kindes auch überhaupt gar nicht braucht.

Ebenfalls auf der Shortlist: Unsere Küche bei Ikea kaufen uns selbst zusammenbauen. Zwar habe ich dabei einiges gelernt, aber es hat doch sehr viel Zeit gekostet. Für €1000 hätte man das sicher machen lassen können. Aber die wollte ich mir lieber aufheben, um meine Brille zertreten und mein Portemonnaie klauen zu lassen :-[

Die gefährlichste Unternehmung?

Auf dem Preikestolen am Abgrund sitzen:

(Daneben: Niki, die sich fragt, ob ich eigentlich eine Lebensversicherung habe, und wenn ja, ob da nicht vielleicht Weltkriege, Reaktorunfälle und der Preikestolen ausgeschlossen sind.)

Zwei Minuten später kam ein wahnsinniger Wind auf, der einen fast umgepustet hat. Bin aber nicht runtergefallen.

Die teuerste Anschaffung?

Erik ;-)

Das leckerste Essen?

Da stimme ich Niki zu: Das Umzugs-Helferessen. Spät, aber gut.

Das beeindruckendste Buch?

Salmonella Men on Planet Porno - Kurzgeschichten von Yasutaka Tsutsui. Endlich mal ein Buch, bei dem ich wirklich nicht weiß, was als nächstes passiert. 1984 hatte ich auch gelesen, aber das erscheint einem heute ja eher wie eine Bestandsaufnahme.

Der ergreifendste Film?

Nicht Film, sondern Serie: Breaking Bad. Danach kommt einem alles andere ziemlich flach vor, z.B. 6 Feet Under: Der Sohn ist schwul, und die Mutter darf es nicht erfahren. Aha.

Dagegen einer meiner Lieblingsszenen bei Breaking Bad: Jesse nimmt im Baumarkt eine Plastikwanne aus dem Regal, betrachtet sie nachdenklich und setzt sich schließlich, nach kurzem Zögern, hinein. Der Kontext? Er testet, ob die Wanne groß genug ist, um darin einen Menschen in Fluorwasserstoffsäure aufzulösen.

Eine Szene (Walts Wutanfall auf dem Highway) war so extrem mitreißend gespielt, dass sie mich quasi vollkommen aufsog und ich erst nach einigen Sekunden merke, dass die nächste Szene angefangen hatte. Das ist mir vorher noch nie passiert.

Die beste CD?

Pan.Thy.MoniumDawn Of Dreams (streng genommen hatte ich die schonmal, damals auf DAT, aber trotzdem).

Das beste Konzert?

Da ich wie gesagt bei Kyuss meiner Brille verlustig ging, was das an sich geniale Konzert für mich doch merklich trübte, würde ich sagen: Monster Magnet.

Die meiste Zeit verbracht mit …?

Arbeiten, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte auch zu Hause im Rahmen des Umzugs, Küche und so.

Die schönste Zeit verbracht damit …?

Mit den richtigen Menschen. (Aber ein wenig mehr Zeit hätte hier nicht geschadet…)

Vorherrschendes Gefühl 2011?

Die Wohnung muss halbwegs fertig eingerichtet sein, wenn Erik kommt.

2011 zum ersten Mal getan?

Eine Küche selbst aufgebaut. Vater geworden.

2011 nach langer Zeit wieder getan?

Impossible Mission auf dem C64 gespielt. Definitiv eines der besten Spiele überhaupt. Da stimmt einfach alles: Coole Grafik, flüssige Animation und gut randomisierter Spielablauf.

Und was sehe ich da gerade? Es gibt inzwischen Umsetzungen für Konsolen, u.a. PS2! Vielleicht ist die Welt doch noch zu retten. Dafür würde es sich zumindest lohnen…

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Ich schreibe mal zwei Drittel von mir selbst ab:

  1. Gehackt werden
  2. The Expendables sehen
  3. In Norwegen für 5 Minuten falsch Parken 101,22€ bezahlen

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Meine Mutter. Davon, dass ich 36 37 bin und nicht mehr erziehungsoffen :-) (Erfolg? Nee, davon steht in der Frage nichts!)

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Ich könnte jetzt auf rosa Schrift umschalten und sagen: Meine holde Gattin, die mir einen gesunden Sohn schenkte.  Aber den sehe ich eigentlich eher als gemeinsames Projekt und nicht als unidirektionales Geschenk.

Besser ist: Die Wächter, gerade auf DVD erschienen und von Niki absolut unerwartet zu Weihnachten bekommen. Eine düstere Dystopie, die 1986 im Ersten Programm lief. Aber ich hatte zu der Zeit Querflötenunterricht (was natürlich viiiel wichtiger und überhaupt nicht verschiebbar war) und konnte immer nur die letzten paar Minuten sehen. Nach 25 Jahren jetzt die ganze Serie auf DVD zu schauen, war der Hammer. Etwa: Mit einem 3cm breiten Edding einen 2 Meter hohen Haken hinter den ausgegraut geglaubten ältesten Eintrag meiner “unbedingt sehen müssen”-Liste machen.

Und ich muss sagen, das Thema ist unverändert aktuell, und für eine Jugendserie ging das schon ganz schön zur Sache.

Interessante Randnotiz: In meiner Erinnerung zog sich dieses flöteninduzierte Verpassen mindestens ein halbes Jahr hin. Tatsächlich hat die Serie aber nur sechs Folgen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Niki um 3 Uhr nachts: “Bleib ruhig liegen, ich mach das schon!”

2011 war mit einem Wort …?

Prim.

Schlaf, Kindlein, Schlaf

Erik hat Koliken. So jedenfalls unsere Vermutung, da er typischerweise in den Abendstunden schreit und unruhig ist. Besonders gerne, wenn seine Eltern ins Bett gehen möchten. Anfangs haben wir’s achselzuckend als “Eriks abendliche Knatschrunde” definiert und gefunden, dass wir da alle drei durch müssen. Leider hat sich durch das Schreien und vermutlich durch die Verstopfung ein kleiner Nabelbruch gebildet. Empfehlung der Kinderärztin: Sab-Tropfen und möglichst wenig schreien.

Ist ja nicht so, als würden wir unser Kind gerne schreien hören. Und der gerne genommene Rat “einfach schreien lassen” (was wir sowieso nicht übers Herz brächten) wäre damit auch hinfällig.

Unsere Abende sind daher zum Versuchslabor geworden. Jörg praktiziert gerne ein geräuschvolles Anpusten mit geschlossenen Lippen (wirkt so lange, wie man Atem in der Lunge hat) oder ein Hin-und Herschaukeln zu fetziger Industrial-Musik.

Ich wälze sämtliche Baby-Ratgeber und Foren, bade ihn abends, gebe ihm Bauchwehtee (mit mittlerer Begeisterung akzeptiert), massiere ihn mit Lavendelöl (soll beruhigend wirken), habe uns bei der Babymassage angemeldet und versuche mich in mittelalterlichen Foltertechniken, pardon, modernen Beruhigungsmethoden wie Pucken:

Hat genau einen Abend lang geklappt und ich glaubte den Heiligen Gral gefunden, bis er sich am nächsten Abend nach fünf Minuten freistrampelte und weiterknatschte.

Weitere Ideen von zufälligen Bekanntschaften in Arztwartezimmern, Nachbarn, Hebammen und Großmüttern: Zwischen den Augen streicheln. Bauch kreisend massieren. Sanft auf den Popo klopfen. Fliegergriff. Ergänzende Vorschläge werden gerne entgegengenommen und ausprobiert.

Neueste Idee: die von Jörgs amerikanischen Kollegen schon in der Frühschwangerschaft erworbene Hightech-Schaukel:

Ein eben gestarteter Pilotversuch war erfolgreich. Heute abend folgt die Feuerprobe. Wir werden berichten.

Nachtleben, postnatal

Neulich noch mal im Radio gehört: “I don’t want to miss a thing” von Aerosmith. Neben sentimentalen Erinnerungen an die Neunziger, mein Teenager-Dachzimmer in Mettmann und das Auswendiglernen und Aus-dem-Englischen-Übersetzen von Songtexten, erinnert mich dieses Lied vor allem an den Film, für den es geschrieben wurde: Armageddon. Der einzige Film, den ich dreimal versucht habe, zu schauen, und dreimal dabei eingeschlafen bin. Was ironisch ist, wie mir neulich erst klar wurde, wenn man den Refrain des Liedes kennt:

I don’t wanna close my eyes

I don’t wanna fall asleep

Cause I’d miss you baby

And I don’t wanna miss a thing.

A propos Schlafen: Das kann ich glücklicherweise immer und überall. Als ich mit einer Freundin mit 18 Interrail gemacht habe, und sie nachtschwärmenderweise die Clubs unsicher machen wollte, bin ich irgendwann in der Disco neben der Lautsprecherbox eingeschlafen.

Eine Eigenschaft, die mir nun als Mutter zugute kommt. Nach der nächtlichen Fütterung sofort wieder einschlafen können, ist von Vorteil. Nachteil ist: ich schlafe auch während der Fütterung ein. Führt dann zu plötzlichem Erwachen, weil die Flasche aus meiner Hand fällt, oder ich im Sitzen Rückenschmerzen bekomme.

Es gibt aber auch solche Nächte, in denen der Sohnemann plötzlich 3 oder 4 Stunden durchschläft. Dann werde ich wach, versichere mich, dass das Kind noch lebt – und kann nicht mehr einschlafen.

 

2011

Gerade gesehen beim Nuf: der Fragebogen fürs letzte Jahr. Also los:

Zugenommen oder abgenommen?

Seufz. Das ist normalerweise ein Thema, über das ich beschämt schweige oder öffentlich Krokodilstränen weine. Aber dieses Jahr – dank Schwangerschaft: erst zugenommen, dann abgenommen :-) Ich wiege spektakuläre 3 Kilo weniger als vor der Schwangerschaft. Kind ist also als Diät durchaus zu empfehlen. Allerdings hat es Risiken und Nebenwirkungen …

Haare länger oder kürzer?

Länger. Während der Schwangerschaft waren meine Haare so viel dichter und lockiger als sonst, da mochte ich keiner Schere zu nahe kommen. Habe allerdings den Verdacht, dass sich das im nächsten Jahr ändern wird: Erstaunlich schnell kommt bei einem Säugling, den man auf dem Arm hält, der gezielte Griff ins Haar. Und erstaunlich früh haben solche kleinen unschuldigen Wesen eine Menge Kraft!

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Konstant kurzsichtig seit 2007. Während dem Studium ging’s noch mal einige Dioptrien bergab, jetzt scheint es sich eingependelt zu haben. Oder ich gucke einfach nicht mehr so viel in die Ferne, kann auch sein. Von Kontaktlinsen habe ich allerdings Abstand genommen, seit sie mir im letzten Jahr zweimal am Augapfel kleben geblieben sind: Einmal nach einer langen Wanderung und einmal im Schwimmbad. Beides sehr unangenehm.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Definitiv mehr. Man verliert zwar an Gewicht durch’s Kind, aber auch an Barvermögen. Und ich sehe den Trend für die nächsten Jahre steigen … Ach ja, und umgezogen sind wir auch noch.

Mehr bewegt oder weniger?

Ich tippe mal weniger – schwangerschaftsbedingt musste ich ja knapp zwei Monate das Sofa hüten. Habe auch entsprechenden Bewegungsdrang und schon ehrgeizige Pläne für 2012.

Der hirnrissigste Plan?

Zu glauben, ich würde noch rechtzeitig vor der Babypause mit der Promotion fertig. Aber im nächsten Jahr! Ganz bestimmt! Vielleicht.

Die gefährlichste Unternehmung?

… die Geburt …? Wobei das eher abenteuerlich als gefährlich war. Ansonsten vielleicht die schwindelerregende Wanderung auf den Preikestolen in Norwegen.

Die teuerste Anschaffung?

Die Küche wahrscheinlich. Und der Sex and the City-Bugaboo-Kinderwagen. Allerdings war der gebraucht. Trotzdem noch teuer.

Das leckerste Essen?

Ich muss schon wieder prahlen, aber das Umzugshelferessen, das wir im Herbst veranstaltet haben, war echt wahnsinnig lecker. Kürbissuppe, Rucola-Pastinakensalat, veganer Flammkuchen und Pflaumen-Sojajoghurt-Nachtisch. Die Lieferservice-Entdeckung des Jahres: Pizza Punjabi. Solange die Küche noch nicht fertig war, waren die quasi unsere Nabelschnur. Sehr leckeres indisches Essen.

Das beeindruckendste Buch?

“Moon Palace” von Paul Auster. War das wirklich 2011? Dann vorsichtshalber noch “The Hotel New Hampshire” von John Irving. Dann sag ich noch “Room” von Emma Donoghue und beschließe, trotz Erik im nächsten Jahr wieder ganz viel zu lesen. Wir sind ja jetzt unter die Kindle-Nutzer gegangen. Da sollte das kein Problem sein. Vor allem ergibt sich der interessante Effekt, dass man Bücher gleichzeitig lesen kann.

Der ergreifendste Film?

Gelten auch TV-Serien? Und muss es ergreifend sein? Filme haben mich, muss ich gestehen, in diesem Jahr keine nachhaltig beeindruckt. Zwei TV-Serien dafür umso mehr: In Treatment und Breaking Bad.

Die beste CD?

Zeh-Deeh, wat isn dette? Ick kenn nur Empedrei. Nö, da fällt mir zu 2011 keine ein. Letztes Jahr waren’s die Helden mit “Bring mich nach Hause”. Wird Zeit, dass die mal wieder was rausbringen.

Das beste Konzert?

Kyuss lives! im März. Schon schwanger und daher nicht ganz vorne im Moshpit. Nur getrübt dadurch, dass doch einige geraucht haben und ich Angst um das ungeborene Kind hatte. Und Jörg hat seine Brille verloren.

Die meiste Zeit verbracht mit …?

Erik. Pränatal mit Geburtsvorbereitungen, postnatal, naja: Windeln, Stillen, Flasche, Trösten.

Die schönste Zeit verbracht damit …?

Siehe oben.

Vorherrschendes Gefühl 2011?

Neugier, freudige Erwartung, Staunen. Und seit November: Müüüüüüde.

2011 zum ersten Mal getan?

Ein Kind ausgetragen und zur Welt gebracht.

2011 nach langer Zeit wieder getan?

In Berlin gewesen und eine alte Freundin besucht. Auf Hochzeiten gewesen. Gitarre gespielt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Schwangerschaftsübelkeit. Sodbrennen. Karpaltunnelsyndrom. Darf ich noch mehr? :-)

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

All die Horrorstories, die man hört über das Kinderkriegen, nicht so ernst nehmen. Sowohl das Gebären an sich als auch das Leben mit einem Säugling ist so, wie man sich das vorstellt.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Erik. (hab ich mir das Geschenk selber gemacht oder der Jörg mir oder wir uns oder der Erik uns?)

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Jörg (ungefähr jeden Tag): Du bist voll die liebe Mama. Das erzähle ich dem Erik später mal.

2011 war mit einem Wort …?

Erikjahr.

 

Jörg, mach den Fragebogen doch auch ma :-)